Flanieren in den Bergen

Große Herausforderungen erwarteten uns Ende letzter Woche:

  • wir – beide aus der norddeutschen Tiefebene, ans Flachland gewöhnt – machten unsere erste Radtour in den Bergen, in der Holsteinischen Schweiz.
  • dazu kam das Vorhaben langsam zu fahren und auch einmal die Landschaft um uns herum wahrzunehmen.  Bisher fuhren wir eher fix bis zum angepeilten Ziel, zum Trinken durfte auch kurz mal ein Fuß auf den Boden gestellt werden.

Karfreitag ging’s mit Rad und etwas Gepäck in die Bahn gen Preetz.  Dort fuhren wir hoch motiviert und fix los, die grobe Richtung im Auge.

Kaum raus aus dem Ort ging es hügelig und abwechslungsreich weiter. Zunächst überwiegend über asphaltierte Radwege. Dass Radfahrer in dieser Gegend willkommen sind, zeigte sich an vielen Cafés.

 

 

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Auch wenn wir langsamer und weniger fahren wollten, war uns die direkte Strecke nach Plön mit etwa 20km dann doch zu kurz. Grönland war ein wohlklingendes Zwischenziel auf dem Weg rund um den Großen Plöner See.

 

 

 

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Erst als wir schon fast an einer Fischräucherei vorbei waren, fiel uns auf, dass wir nun doch anderthalb Stunden ohne Pause gefahren waren. Zeit, die Räder an die Hütte zu lehnen, den köstlichen Matjes und ein Kaltgetränk zu genießen, Blick auf den Großen Plöner See, in der Hütte am Ufer räucherte es kräftig.

Weiter ging’s über Schotter- und Waldwege, bergauf und bergab, meist durch den Wald, ab und zu blitzte der See durch die Bäume, Felder mit blühendem Raps sorgten für Farbtupfer. Beeindruckt von der hügeligen und abwechslungsreichen Landschaft blieben wir immer wieder stehen, wollten sie mit der Kamera einfangen. Letzteres gelang selten, gerade Felder, die in sich schon eine halbe Berglandschaft vereinigten, wirkten auf den Fotos nicht. Also genossen wir still.

Leider zog es sich immer mehr zu, begann zu nieseln und kurz vor Plön schüttete es richtig. Wir stellten das schnelle Flanieren ein und fuhren fix zum Haus Steinberg, unserer Unterkunft in Plön. Dazu ging’s noch einen letzten Berg hoch – der Name „Steinberg“ hätte uns vorwarnen müssen. Im Haus erwartete uns ein netter Gastgeber, der uns beim Frühstück am nächsten Morgen gute Tipps für die Weiterfahrt gab. Im Fährhaus erwartete uns abends eine für uns neue Fischart, die „Maräne“ , die direkt aus dem Plöner See kommt. Lecker!

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Von der Sonne begrüßt ging es am Samstag entspannt, gar flanierend, zwischen den Seen nach Malente. Der Weg führte durch Wälder, immer am Ufer des Behler Sees entlang. Oft kamen wir an kleinen Badestellen vorbei, so einsam gelegen, dass wir das Gefühl hatten, sie wären nur für uns da. Die Temperaturen sprachen gegen ein spontanes ins-Wasser-Springen, der Wunsch im Sommer noch einmal herzukommen reifte.

Auf dem schmalen Landstrich zwischen Behler See und Dieksee konnten wir beobachten wie eine der Seefähren sich durch die schmale Verbindung zwischen den Seen manövrierte.

Einige Kilometer weiter merkten wir, dass wir von der geplanten Route abgekommen sind. „Radlandsichten“ war ausgeschildert. Schon der Name klingt gut. Statt auf den Radwanderweg zurück zu kehren folgten wir dem Schild.

Schöner Ortsname

Es führte uns über Schotter- und Schlammwege durch Felder und kleine Haine bis zu einem Bauernhof mit Hochseilgarten. Letzterer lag auf dem Hügel darüber, bestand im Wesentlichen aus hohen Balken und wirkte wie ein Überbleibsel aus einem Science Fiction Film. Statt dort hoch zu klettern fuhren wir weiter bis zum rund 90m hohen Holzberg und erklommen die 154 Stufen des darauf stehenden Holzturms. Die Kletterpartie hat sich gelohnt, der Blick reichte bis nach Plön, bei weniger diesigem Wetter soll sogar Kiel zu sehen sein.

Rechtzeitig zur Mittagszeit riefen wir uns das Vorhaben „Flanieren und Genießen“ wieder ins Gedächtnis und genossen Sonne und Fischrötchen in der Seehütte am Kellersee.

Sonnenpause in der Seehütte am Kellersee
Sonnenpause in der Seehütte am Kellersee

Rund um den Kellersee wurde es noch einmal abenteuerlich. Der Weg führte über zum Teil matschige Waldwege, auf und ab, es gab gar eine Gefällstrecke mit Schiebegebot.

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Die Radwegweiser verwirrten: Folgen holsteinische Kühe den Wegweisern??

kuh

Nachdem der Blick auf die Karte mit dem Gut Immenhof Kindheitserinnerungen weckte, verzichteten wir auf eine Rückfahrt ab Eutin, umfuhren den ganzen Kellersee zurück nach Malente und standen vorm Immenhof. Vor dem geistige Auge die Oma auf der Treppe zum Gutshaus, die grau-schwarzen Haare zum Dutt geflochten. Der Ohrwurm „So ein Pony, das kann alles…“ begleitete mich zurück nach Hamburg.

Kindheitserinnerungen: Weihnachten, "so ein Pony, das kann alles, kann viel mehr als du und ich,  könnte es noch Eier legen, wäre es ein Wundertier! Hollari, hollaho, wäre es ein Wundertier.."
Kindheitserinnerungen
„so ein Pony, das kann alles, kann viel mehr als du und ich, könnte es noch Eier legen, wäre es ein Wundertier! Hollari, hollaho, wäre es ein Wundertier..“

Mit vielen schönen Eindrücken ging es zurück nach Hamburg. ..und mit der Erkenntniss, dass eine Radtour auch flanierend genossen werden kann.

rueckfahrt

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