Zwei kleine Räder auf zwei Elbinseln

Es war soweit, die erste gemeinsame Radtour von Fiete und Mathildes kleinem blauen Flitzer stand bevor, gepaart mit der Erkundung des Teilstücks des Elberadwegs, das kürzlich ausgebaut und eingeweiht worden ist. Einen Vorgeschmack gab mir die „Zeitrafferfahrt“ auf dem neuen Radweg, die ein Freund mir geschickt hat. Merci dafür!

Bevor’s auf die kleinen Räder ging, mussten wir sie erst einmal nebeneinander stellen, bewundern und fotografieren. Faszinierend, dass sie farblich so gut zu einander passen.

zwei kleine Räder treffen erstmals aufeinander

Sonntagsmorgens – oder besser fast mittags – in der Sonne vor den Deichtorhallen wurde es rasch zu warm. Der ausführliche Radvergleich musste warten, wir gaben Café und  Klönschnack den Vorzug.

Hätte nie gedacht, dass mich Fahrräder mal so faszinieren würden. Sonntag habe ich die beiden Lütten bei jeder Gelegenheit fotografiert, insbesondere, wenn sie wie hier hintereinander an ein Geländer gelehnt waren.

Brompton mal zwei
Brompton mal zwei

Von der Hafencity aus versuchten wir das neue Stück Radwanderweg zu finden. Da ich mich erinnerte von einer Einweihungsfeier in / bei der Oberhafenkantine gelesen zu haben, steuerten wir diese an. Allerdings war kein Kaltgetränk das Ziel sondern der Elberadweg, von dem hier nichts zu sehen war. Wir versuchten es auf der anderen Seite des Oberhafens. Auch hier deutete nichts auf einen Radweg hin. Eine Baustelle lag verlassen in der Sonne, wenige Rad- oder Autofahrer waren zu sehen. Hier konnte der Radfernweg doch nicht langführen! Solche Wege kenne ich als meist gut ausgeschildert. Wir fanden keinen Hinweis oder übersahen ihn beim Hin- und Herfahren. Irgendwann fuhren wir einfach zwischen den Absperrstangen auf den Flutschutz.

Elberadweg oder nicht?
Elberadweg oder nicht?

Es erwartete uns ein recht breiter Korridor zwischen Fruchtgroßhandel und Kanal. Dazu lustiger Belagmix, von Teer über rote, kleine Platten bis zu Holz. Immer noch waren wir nicht sicher, ob wir hier richtig seien.

Holz, rote Platten, Teer - alles noch neu. Glücklicherweise fehlte der hamburgtypische Schotter.
Holz, rote Platten, Teer – alles noch neu.
Glücklicherweise fehlte der hamburgtypische Schotter.

Einige hundert Meter weiter kamen uns die ersten Radfahrer entgegen, inzwischen waren auch hinter uns welche zu sehen. Strahlende Gesichter – so viel Platz zum Radfahren, ungehindert durch parkende und fahrende Autos ist in Hamburg selten.  „Ist klasse geworden, nicht?“ rief uns einer entgegen und trat beherzt weiter in die Pedale.

Es gab viele kleine Ausbuchtungen mit Bänken, die zum Verweilen einluden. Mit Wasserflasche in der Hand, der Kamera im Anschlag, dem Blick auf Räder und dahinter liegende Industrie nutzen wir die Bänke ausgiebig. Die Perspektiven waren neu für uns, kannten sie teilweise rudernd vom Fleet aus.

Stahl – wohin das Auge blickt

Auf Entenwerder bot sich uns der bis dahin nicht vermisste Schotter. Die Insel selbst betraten oder besser befuhren wir zum ersten Mal, waren überrascht von dem vielen Grün und der Ruhe.

Entenwerder bot alle Schickanen: Schotter, verschiedene Kopfsteinpflaster, Teer.
Entenwerder bot alle Schickanen: Schotter, verschiedene Kopfsteinpflaster, Teer.

Ein Stopp im Biergarten des Entenwerder Fährhauses versetzte uns in die 1970er zurück. Das Haus ist einen Ausflug wert, auch wegen des leckeren Pflaumenkuchens vom Blech. Sehenswerte Oldtimer fuhren vorbei. Die zwei Lütten passten gut zu dem einen, der parkte.

am Entenwerder Fährhaus
am Entenwerder Fährhaus

Wir saßen dicht an den Rädern, konnten gut erkennen, was sich in den letzten etwa fünf Jahren an den Bromptons geändert hat. Die Bremshebel sind nun schwarz lackiert, die Pedale & Pedalkurbeln unterschiedlich, ebenso die Mäntel. Beim anschließenden Faltvergleich – kombiniert mit Tipps fürs schnellere Falten – hatten wir viele Zuschauer, die wissen wollten wie schwer so ein Rad ist, ob es sich mühsamer tritt, usw. Übereinstimmung herrschte bei der Feststellung, dass es schön aussieht. 🙂

Unser ursprüngliches Ziel war das Zollenspieker Fährhaus, also wieder ab auf die Räder und weiter die Elbe entlang. An der Wasserkunst auf Kaltehofe wären wir fast vorbei gefahren, bogen im letzten Augenblick ab. Zeit für einen Café! Das Gebäude des ehemaligne Hygienischen Staatsinstituts, das auf Grund einer Cholera Epidemie im 19. Jahrhundert gebaut wurde und das Trinkwasser der Hamburger filterte, beherbergt heute ein Museum und ein Café. Einen weiteren Besuch habe ich fest eingeplant, um dann auch die Ausstellung anzusehen.

Wasserkunst Kaltehofe
Wasserkunst Kaltehofe

Ein wenig fuhren wir noch gen Südosten, drehten dann aber bald um. Sonne und Müdigkeit forderten ihren Tribut.  „Die Körbe sind ja größer als eure Räder!“ schallte es uns entgegen. Zwei Radfahrer fragten interessiert, ob die Körbe sich zu Stautaschen für die Räder umfunktionieren liessen.
Gute Idee. Das wäre praktisch!

Unsere kleine Tour endete mit einem Kaltgetränk und Schnack mit Willi in der Handle Bar Hamburg . Einige seiner Leihräder hatten wir mittags schon in der HafenCity fahren sehen.

Mit dem Zuruf  „was für ein schönes Rad!“ eines Fußgängers auf dem Heimweg war der Tag rund.

Herrlich, so können mehr Sonntage vergehen!

 

 

[Woher kommt Fiete, mein lüttes Rad? Wie lange wird er bei mir sein?]

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