Unterwegs auf der Alten Salzstrasse

AlteSalzstraßeAnfang Oktober und bestes Wetter im Norden Deutschlands. Da bot es sich an, spontan die Alte Salzstraße zu fahren. Wie bei allen Touren in diesem Jahr, war das Ziel am Tag nicht mehr als 50-60km zu fahren, um auch die Gegend wahrzunehmen. Die Radtasche war schnell gepackt, wir trafen uns im Zug und ab Lüneburg ging’s aufs Rad. Die Ausschilderung war klasse und  wir entsprechend schnell aus Lüneburg heraus.

 

Elbe-Seitenkanal

Die Strecke führte öfter über Zweirichtungsradwege, gen Norden links der Straße, was mich zunächst ein wenig irritierte. Da außer uns kaum Radfahrer unterwegs waren, war’s entspannt. Recht schnell erreichten wir den Elbe-Seitenkanal und fanden uns in einer Bilderbuchlandschaft wieder. Der Blick war weit, sattes Grün um uns herum und entgegen der Wettervorhersage strahlte die Sonne.

 

Schon länger wollte ich mir das Schiffshebewerk in Scharnebeck anschauen, nun war es soweit. Von Weitem sahen wir mehrere Binnenschiffe am Flussrand ankern. Beim Näherkommen entdeckten wir die Türme des Werks dahinter. Hier sah es gar nicht so spektakulär aus, wie ich erwartet hatte.

Vorm Schiffshebewerk in Scharnebeck
Vorm Schiffshebewerk in Scharnebeck

Der Fernradweg führte eigentlich weiter westlich entlang, aber auf den obigen Anblick hatte ich nicht verzichten wollen. Als wir uns dem Sperrwerk näherten, verstand ich, warum hier kein Radweg war: links von uns ging es bestimmt 50m nach unten – über eine Treppe. Nun ja, ganze 300m zurückzufahren statt die Räder die Treppe herunter zu tragen kam nicht in Frage. Nach den ersten Treppen wünschte ich mir allerdings mein kleines Rad herbei, das sich bei solchen Manövern locker über die Schulter hängen lässt!
Unten angekommen überwältigte der Blick auf das Schiffshebewerk ob dessen schierer Größe. Unglaublich, dass hier ein Kanal gebaut wurde, der die Überwindung eines solchen Höhenunterschieds erfordert!

Lauenburg erwies sich als erstaunlich hügelig – für mein Dafürhalten gar bergig. Immerhin konnten wir so das Mittagessen mit Blick auf die Elbe genießen.

Mittag mit Ausblick
Mittag mit Ausblick
Idyllische, wenn auch zu windige Pause mit Blick auf die Elbe
Idyllische, wenn auch zu windige Pause mit Blick auf die Elbe

Gestärkt und durchgepustet ging’s weiter, nun den Elbe-Lübeck-Kanal entlang. Bevor es eintönig wurde, stießen wir auf die erste Schleuse.

Schleuse am Elbe-Lübeck-Kanal
Schleuse am Elbe-Lübeck-Kanal

Beeindruckend, dass die Rasenflächen direkt an der Schleuse einem englischen Rasen glichen.

 
Kurz darauf bogen wir gen Osten auf die Alternativroute durch den Naturpark Lauenburgische Seen ab. Gleich im ersten Ort bogen wir falsch ab. Die Alte Salzstraße war nicht ausgeschildert, u.a. aber der Deutsch-Deutsche-Radweg (DDR). In dem Wissen, dass er einige Zeit parallel zur Salzstraße läuft, folgten wir ihm – leider in die falsche Richtung. Zum Glück bemerkten wir den Fehler recht schnell und waren fix wieder auf der richtigen Route. Hier zeigte es sich mal wieder, dass die Bikeline Routenbücher zwar klasse zur Planung und für Tipps an verzwickten Ecken sind, eine gute Karte mit vernünftigem Maßstab dennoch immer mit ins Gepäck gehört. Letztere hatten wir diesmal nur für alles nordöstlich von Ratzeburg. Da Ratzeburg schon früh auf den Fahrradwegweisern ausgeschildert war, folgten wir diesen ohne weiter auf das Schild Alte Salzstraße zu achten.

Irgendwo um Gudow herum müssen wir dem falschen Schild gefolgt sein. Die Orte, die wir auf unserer Route vermuteten, waren nicht mehr ausgeschildert. Die einzige Konstante blieb der Wegweiser nach Ratzeburg. Da es durch schöne Wälder ging, hinterfragten wir dies nicht weiter.

Wunderschöne Waldwege auf der Alternativroute, teils ganz schön bergig
Wunderschöne Waldwege auf der Alternativroute, teils ganz schön bergig

Als dann Schmilau ausgeschildert war, das sich weit westlich unserer geplanten Route befindet, waren wir doch froh auf eine Familie zu treffen, die eine gute Karte dabei hatte und uns zeigte, wo wir waren – mitten in einem riesigen Waldgebiet südwestlich von Ratzeburg. Im Nachhinein war diese Strecke vermutlich schöner als die offizielle.

Im Hansa Hotel in Ratzeburg erwartete uns eine Tiefgarage mit extra viel Platz für Fahrräder. Klasse!

Nebel war für Sonntagmorgen angekündigt, die Sonne schien. Wir verließen die Insel zwischen Küchensee und Ratzeburger See, prompt wurde es wieder hügelig. Selbst schnell aus der Puste, machte es mir Spaß zwei Radwanderer in voller Montur (lange Radhose, Helme, x Gepäcktaschen, ..) zu überholen, dafür musste die Kraft einfach reichen. Auf dem nächsten Kilometer stimmten wir überein, dass so eine lange Radhose einfach niemandem steht. Dazu trug nur einer der Herren eine solche, der andere eine Trekkinghose. Fühlen sich beide da nicht komisch, wenn sie am ersten Café ankommen? Der eine zu sportlich in seinem Lycra, der andere zu overdressed im Vergleich zu seinem Radpartner? Die gleichen Fragen stellten wir uns. Ich fuhr in Cordhose, langem T-Shirt und Strickjacke, meine Begleiterin in stadttauglicher Trekkinghose (Canvas) und dunklem Funktionsshirt. Schnell kamen wir überein, dass wir beide gar nicht so weit auseinanderliegen – ganz im Gegensatz zu den beiden Herren. Bei solchen Strecken denke ich, dass ich gut in bequemer Alltagskleidung fahren kann.

Die Überlegungen fanden am nächsten Berg ein Ende. Hoch ging’s nach Einhaus. Von der Idee des Bücherschranks in Bussen hatte ich schon gelesen, solche Tauschregale in Hannover gesichtet. In Einhaus entdeckten wir die erste Bücherzelle.

Bücherzelle in Einhaus - Upcycling par excellence
Bücherzelle in Einhaus – Upcycling par excellence

Das Erreichen des Elbe-Lübeck-Kanals ließ mich frohlocken – endlich keine Berge mehr!

Zurück am Elbe-Lübeck-Kanal
Zurück am Elbe-Lübeck-Kanal
Herrlich - kein Berg in Sicht!
Herrlich – kein Berg in Sicht!

Die restliche Strecke war recht kurz. So folgten wir dem Hinweis „Tag des offenen Gartens“, verließen die Salzstraße kurz und erfuhren einiges über historische Gemüsesorten. Mit Saatgut im Gepäck ging’s bis an den Lübecker Stadtrand am Fluss entlang. Da verließen uns die Schilder. Das Schild, das uns zurück an den Kanal führen sollte, fanden wir nicht. Stattdessen fuhren wir durch Wohn- und Industriegebiete bis zum Holstentor.

Am Ziel - Holstentor in Lübeck
Am Ziel – Holstentor in Lübeck

Nach Café und Zeitungsgenuß ging’s mit dem Zug zurück nach Hamburg.

Alles in allem war’s eine schöne Tour, ein Miniurlaub am langen Wochenende. Das Hotel hatten wir vorher gebucht, das Rad ohne Reservierung im Zug zu transportieren, klappte gut. Eine ordentliche Übersichtskarte kommt beim nächsten Mal mit in die Tasche!

 

 

1 comment

Kommentar verfassen