Zeit für Coffeeneuring!

Coffeeneuring Patches 2015 & 2016

Die Tage werden kürzer, das Wetter ungemütlicher – ein untrügliches Zeichen, dass es bald wieder Zeit für Coffeeneuring ist!

Die Coffeeneuring Challenge kombiniert Radausfahrten mit Cafébesuchen. Erdacht hat sich die Challenge Mary aus Washington D.C., um einen Anreiz für kleine Entdeckungstouren im Herbst zu schaffen.

 

Sieben ist dabei Trumpf: Um die Challenge zu bestehen, muss man

  • an sieben Tagen, in der Zeit vom 13.10. bis 19.11.2017
  • zu sieben verschiedenen Orten fahren,
  • bei maximal zwei Fahrten pro Woche,
  • dabei in Summe mindestens zwei Meilen (= 3,22 km) zurücklegen,
  • sieben Tassen Kaffee (oder Vergleichbares) trinken und
  • sieben Fotos als Beweis fürs Coffeeneuring posten.

Passend dazu jährt sich die Challenge in diesem Jahr zum siebten Mal. Mary schreibt dazu:

My favorite birthday card ever was from my seventh birthday. The card read:

“Seven is a lucky number
That’s what people say
And so your seventh birthday
Ought to be your lucky day.”

Quelle: Chasing Mailboxes

Jeder, der gerne Rad fährt und Café, Tee, eine heiße Schokolade oder Ähnliches genießt, ist herzlich eingeladen teilzunehmen.

Ich kann es nur empfehlen: Die Coffeeneuring Challenge hat mich in den letzten beiden Jahren an so manch ungemütlichem Tag vom Sofa geholt. Der Aspekt, dass unterschiedliche Cafés angefahren werden müssen, führte dazu, dass ich neue Orte und Wege in Hamburg entdeckte. Da auch Outdoor-Cafés erlaubt sind, war das klare Highlight im letzten Jahr eine Ausfahrt frühmorgens an die Elbe, bei Minustemperaturen, um dort den Café im Sonnenaufgang zu genießen.

Um die Challenge zu bestehen, müssen die hier (engl.) aufgelisteten Regeln eingehalten werden. Zum Austausch gibt’s eine Coffeeneuring Gruppe auf Facebook, den Tag #Coffeeneuring  auf twitter und instagram sowie die Möglichkeit Fotos in der Coffeeneuring group auf flickr zu teilen.

Ich bin gespannt, welche Orte, Cafés und Wege ich in diesem Jahr entdecken werde.

Viel Spaß allen, die dabei sein werden!

 

Hier meine Ausfahrten aus 2015 & 2016:

2016:

 

2015:

 

 

 

 

Unterwegs auf dem Hamburg-Rügen-Radweg

Nach und nach erfahre ich mir den Hamburg-Rügen-Radweg*. An einem Juniwochenende ging’s nun von Ratzeburg nach Bützow. Gleich zu Beginn gab’s den ersten Schreck: Die von mir zusammengestellte Strecke, die uns vom Ratzeburger Bahnhof direkt zum Ruderclub am Schweriner Schloss führen sollte, wurde auf dem Garmin nicht mehr angezeigt. Zum Glück hatte ich auch die gesamte Strecke Hamburg-Rügen geladen, so dass wir nur einmal über die Ratzeburger Insel zum offiziellen Streckenverlauf fahren mussten. Für mich gab’s gleich die nächste Überraschung, hatte ich doch nach der letzten Radtour in dieser Gegend direkt verdrängt, wie hügelig es hier ist! Die Höhenmeterangaben der zusammengestellten Strecke hatte ich erneut ignoriert, da ich mich in der Ebene wähnte. Das wird mir nicht noch einmal passieren! Über 900 Meter hoch und wieder runter sollte es an den zwei Tagen gehen.

Die ersten 20 Kilometer zogen sich. Es ging teils steil bergauf, dazu gesellte sich Niesel und zu guter Letzt hatte das von uns als Start angepeilte Eiscafé auf der Ratzeburger Insel noch nicht geöffnet. Es konnte nur besser werden. Zunächst führte uns der Weg nach Norden an die ehemalige deutsch-deutsche Grenze. Kaum zu glauben, dass vor nicht einmal 30 Jahren hier auf dem Grenzweg Schlagsdorf noch der Todesstreifen verlief. Nach dem Rückbau der Grenzanlagen hat inzwischen die Natur den Streifen zurückerobert. Bebilderte Tafeln halten die Erinnerung wach. Statt Mauern gab es für uns etwas anderes zu entdecken: Mitten durchs Feld spazierten gemütlich zwei Strauße. Da kein Gatter um die Felder zu sehen war, vermuteten wir Ausreißer, erfuhren aber im nächsten Dorf, dass hier tatsächlich eine freie Population sogenannter Nandus lebt. Ganz falsch lagen wir mit den Ausreißern nicht – seit den 1990er Jahren brachen immer wieder Nandus aus ihrem Gehege aus. Mittlerweile leben rund 250 Tiere frei in der Gegend. Ihre Entwicklung sowie ihre Auswirkung auf die Gegend werden von Wissenschaftlern und Naturschützern beobachtet.

Wenige Kilometer waren gefahren, umso mehr Höhenmeter gesammelt, als wir auf einem freien Feld in Dechow die Gläserne Molkerei entdeckten. Just in time zur ersten Pause. Sie gehört zum Biosphärenreservat Schaalsee, bietet Führungen an und – für uns an dem Samstag am Wichtigsten – offeriert frischen Kaffee.

Weiter ging’s durch viele kleine Dörfer. Regen und Niesel wechselten sich ebenso ab wie der Untergrund. Es war alles dabei: Alte Platten, aufgerissener Beton, wunderschön anzusehendes Kopfsteinpflaster und versandete teils verschlammte Waldwege, die uns vom Rad und zum Schieben zwangen. Interessant fand ich, dass mehrere Male auf der Strecke asphaltierte Abschnitte alle rund 800 m durch zehn Meter Kopfsteinpflaster unterbrochen wurden. Sicher eine gute Maßnahme, um rasenden Autofahrern Einhalt zu gebieten. Für uns war’s weniger bequem. Eine kleine Dorfkirche mit ihrem separaten Glockenturm sowie eine von einer Schwalbenfamilie okkupierte Schutzhütte boten willkommene Möglichkeiten kurz zu verweilen. Auch Kirschen wollten am Wegesrand gepflückt und verzehrt werden. Irgendwann reichte es mit dem Grau um uns herum, den Schweriner Ruderclub mit seinem wunderschönen Blick aufs Schloss vor Augen, fuhren wir zügig zum Ziel des ersten Tages.

 

Kaum am Ruderclub angekommen, klarte es auf. Das Schweriner Schloss erstrahlte schon fast unwirklich. Parfait für den Abendspaziergang, um in der Stadt noch einzukehren.

Der Sonntagmorgen begrüßte uns nieselig, das Wetterradar kündigte mehr Regen an. So ließen wir uns Zeit zu frühstücken und starteten erst um halb zehn. Damit kamen wir direkt in den Wechsel des Schweriner Triathlons, bei dem die Athleten gerade aus dem See kamen und auf ihre Räder sprangen. Prompt schlängelten wir uns falsch an den Absperrungen vorbei, landeten auf einer Straße, die uns mittig in den Schweriner See führte. Kurz überlegten wir wieder gen Westen zu fahren, um dem Hamburg-Rügen-Radweg zu folgen. Da wir am Westufer bereits bei diversen Ruderwanderfahrten angelandet waren und es zumindest vom Wasser aus kannten, kürzten wir ab und fuhren das Ostufer hoch. Hier war’s belebt wie den ganzen Sonnabend nicht. Viele Radfahrer fuhren die Tour rund um den See. Kaum bogen wir wieder nach Osten ab, wurde es einsamer. Und abenteuerlicher. Bei Flessenow ging’s wieder in einen Wald. Mein Garmin zeigte abwechselnd „MTB geeignet“ oder „halbbefestigter Weg“ an. Letzteres halte ich für einen Euphemismus: Fiete’s Kettenschaltung versandete derart, dass ich nur noch schieben konnte. Dazu versanken sogar die Räder des Trekkingrades meiner Begleitung so tief, dass auch hier an ein Fahren nicht zu denken war. Besonders fies wurde es etwas später als es durch einen besonders feuchten Wald ging, in dem sich Riesenmücken über uns freuten. So schnell habe ich noch nie mein Rad geschoben und gleichzeitig nach Mücken geschlagen!

Das Schloss Hasenwinkel passierend erreichten wir recht fix Warin. Gefühlt zu früh, um schon wieder in den Zug nach Hamburg zu steigen. Der Blick auf die Karte zeigte, dass wir den Bahnhof in Bützow exakt zur Abfahrt des nächsten Zuges erreichen konnten. Also ging’s nach einem Eis gleich weiter. Und es lohnte sich. In Laase entdeckten wir eine wunderschöne alte Kirche samt altem Gutshof gegenüber. In Baumgarten erwartete uns eine restaurierte, ehemalige Molkerei, die heute eine Galerie beherbergt. Recht schnell erreichten wir Bützow und damit das Ende unserer Tour.

Es war wieder eine schöne Tour! Der Hamburg-Rügen-Radweg lässt sich gut Stück für Stück erfahren. Noch im Zug beschlossen wir, bald wieder die Räder zu packen und den Weg in Bützow fortzusetzen.

 

*von Hamburg nach Lauenburg sind wir beim BrommieX gefahren, von Lauenburg bis Lübeck mit Stopp in Ratzeburg, als wir die alte Salzstraße  entlang gefahren sind.

Schlechte Noten für Hamburg im Fahrradklima-Test

Heute wurden sie vorgestellt: die Ergebnisse des ADFC Fahrradklimatests 2016. Dieser Zufriedenheits-Index der RadfahrerInnen in Deutschland basiert auf den Bewertungen von 120.000 TeilnehmerInnen für 539 Städte (2014: 100.000 TeilnehmerInnen für 468 Städte), die per Fragebogen erhoben wurden. Dabei wurde u. a. nach dem Zustand der Radwege, Falschparken darauf und dem Sicherheitsgefühl beim Radfahren gefragt.

Für Hamburg sind die Ergebnisse nicht überraschend und leider wieder schlecht: Bei den Städten > 200.000 Einwohner findet es sich im unteren Drittel wieder. Der Hamburger ADFC kommentiert entsprechend:

 

„Die Ergebnisse des Fahrradklimatest zeigen, dass Hamburg trotz aller Bemühungen nach wie vor großen Nachholbedarf beim Radverkehr in punkto Sicherheit, Infrastruktur und Komfort hat“, so Stefanie Miczka, Referentin für Verkehr des ADFC Hamburg. Die Ergebnisse seien eine klare Ansage an den Hamburger Senat: Die Radfahrenden in Hamburg nehmen zwar positiv wahr, dass etwas für den Radverkehr passiert, aber es reiche nicht, um Fahrradstadt zu werden.

»Olaf Scholz setzt nach wie vor aufs Auto«, so Miczka. »Die Stärkung des Umweltverbunds aus ÖPNV, Rad- und Fußverkehr hat in Hamburg keine Priorität«. Die brauche es aber, damit die Stadt ihre Umwelt- und Verkehrsprobleme endlich in den Griff kriegen könne. Olaf Scholz schließe jedoch  lieber fragwürdige »Mobilitätspartnerschaften« mit Autokonzernen. Regelmäßig knicke der Senat bei Protesten einiger weniger Wutbürger ein und rudere zurück und vernachlässige technische Standards beim Ausbau des Radverkehrs – auf Kosten des Umweltverbunds und der Gesundheit der Bürger. Miczka: »Ohne politisches Rückgrat wird Hamburg aber keine Fahrradstadt. Monat für Monat protestieren mehrere Tausend Radfahrer*innen und Radfahrer bei der Critical Mass für bessere Verkehrsbedingungen – friedlich und ohne großes Geschrei … wann hört Olaf Scholz auf diese Bürger?«

[..] Trotzdem sind sich Hamburgs Radler einig: Viele Menschen fahren Rad. Und trotz der schlechten Bedingungen werden es immer mehr. [..]

Quelle: ADFC Hamburg

Falschparkerkontrollen auf Radwegen werden am schlechtesten bewertet, dicht gefolgt von der Führung an Baustellen und der Radwegbreite. Im Vergleich zu ähnlichen Städten wird in Hamburg der Zustand der Radwege (Reinigung, Winterdienst, Hindernisse, Oberfläche) schlechter bewertet. Damit spiegeln die Ergebnisse gut wider, was in diversen Onlineforen unter Hamburger RadfahrerInnen diskutiert wird.

Beim Blick in die einzelnen Kategorien liegt Hamburg fast überall unter dem durschnittlichen Wert der Städte mit mehr als 200.000 Einwohnern. Geht es ums Fahrrad- und Verkehrsklima, fühlen sich die Hamburger als Radfahrer nicht Ernst genommen. Dazu passt, dass der Stellenwert des Radfahrens in Hamburg nicht als besonders hoch angesehen wird. Den schlechtesten Wert erhielt die Abstimmung der Ampelschaltungen auf Radfahrende. Positiver wird die Fahrradförderung in jüngster Zeit angesehen. Mit einem Wert von 3,5 von sechs sagt dieser für mich aus, dass wahrgenommen wird, dass sich etwas – wenn auch viel zu wenig – tut. Komfort beim Radfahren wird angesichts meist schmaler, holpriger Radwege schlecht bewertet. Einzig in der Kategorie Infrastruktur und Radverkehrsnetz wurden durchgehend bessere als ausreichende Noten vergeben. Dies liegt im Wesentlichen am gut ausgebauten Leihradsystem (u. a. StadtRad) sowie der Freigabe von Einbahnstraßen für RadfahrerInnen in der Gegenrichtung, die stark vom ADFC betrieben wurde.

Hier die einzelnen Ergebnisse im Überblick:

 

 

Die drei Punkte, in denen Hamburg sich im Fahrradklimatest 2016 im Vergleich zu 2014 verbessert hat, sind entsprechend

  • öffentliche Fahrräder (Note 1,8),
  • Fahrradmitnahme im öffentlichen Verkehr (3,2) und
  • Fahrradförderung in jüngster Zeit (3,5).

Die einzelnen Punkte im Städtevergleich finden sich hier.

Nach wie vor staune ich darüber, dass immer mehr Hamburger Rad fahren. Dabei habe ich den Eindruck, dass auf den Strecken, die ich meist fahre, langsam eine kritische Masse an Radfahrenden erreicht wird: Der Überholabstand der Autofahrer wird größer, es wird weniger gehupt und auch die Zahl der Beinahunfälle nimmt ab. Zeit, dass dies mit einer besseren Verkehrsinfrastruktur einhergeht!

 

 

Erste VELO in Hamburg

 Am Sonnabend und Sonntag öffnet die VELO in der Rindermarkthalle ihre Türen. Damit findet diese Radmesse nach Berlin und Frankfurt erstmals in Hamburg statt. Das Programm klingt vielversprechend. Ein Fokus wird auf Lastenrädern liegen.  Unter dem Motto „Cargobike & Family“ heißt es:

Als eine der Mobilitätslösungen der Zukunft präsentiert sich das Lasten- bzw. Transportrad. Auch bei Paketzustellungen und im Wirtschaftsverkehr, vor allem aber auf den alltäglichen Wegen mit der Familie in der Stadt setzen Cargobike & Co sich durch. Betreut vom Berliner Lastenrad-Experten Arne Behrensen (cargobike.jetzt) und ergänzt um die „Familienflotte“ mit Kinder- und Laufrädern inklusive Kinderparcours und buntem Rahmenprogramm steht die Familie bei der VELO im Mittelpunkt!

Quelle: VELO Hamburg

Neben der Ausstellung werdem beim Cargo Bike Race Lastenradfahrende gegeneinander antreten. Das Finale findet am Sonntag, 14.5.2017 um 15h auf dem Deck der Rindermarkthalle statt.

VELOART beschreibt alles rund um klassische Räder. Le Vélo wird einige besondere Schmuckstücke ausstellen. ART ohne Bilder kann es natürlich nicht geben. hummelbike lädt dazu ein, Gedanken zum Thema Fahrrad zu Papier zu bringen. Am Sonntagmorgen um 10h30 startet außerdem der „Velo Classico Ride“ mit alten Rädern und entsprechend gewandeten Fahrern.

Besonders interessiert mich der Programmpunkt „Dreh deine Stadt„. Verschiedene Initiativen – u.a. der Volksentscheid Fahrrad Berlin – laden zum Barcamp für Mobilität und lebenswerte Städte ein. Den gesamten Sonnabend über wird im Centro Sociale zum Thema debattiert werden – 13.5.2017, 10-19h, Sternstraße 2, 20357 Hamburg.

Ein Highlight am Sonnabend wird die Ausfahrt der DRECKNECKS Hamburg BC sein. Mit ihren Cruisern werden sie um 15h an der Rindermarkthalle starten. An den Rädern gibt’s immer nicht nur immer etwas zu entdecken. Je mehr von ihnen unterwegs sind, desto beeindruckender sehen sie aus.

Bislang kenne ich die VELO eher als eine Messe der großen Aussteller, auf der bekannte Fahrradhersteller ihre Neuheiten zeigen. Insofern fand ich sie weniger interessant als die Berliner Fahrradschau, die trotz wachsender Größe weiterhin viele kleine und innovative Hersteller – von Rahmenbau über Accessoires und Bekleidung – präsentiert. Ich bin gespannt, wie sich die VELO in Hamburg präsentieren wird.

The Wrider’s Club & ein Geburtstag

Eben entdeckte ich, was ich im letzten Herbst schon über die Wrider’s Club schrieb und versäumte zu veröffentlichen. Der Blogpost unterstreicht die Erfahrung des Bloggertreffens während der vergangenen Berliner Fahrradschau. Deswegen hier ein „later post“:

hamburgfiets ist vier!
hamburgfiets ist vier!

Von mir unbemerkt feierte hamburgfiets im letzten Oktober seinen vierten Geburtstag. Gedanklich war ich vermutlich schon in Wien und hoffte, dass ich mein neues Rennbrompton rechtzeitig in Bremen würde abholen können. Was hat nun ausgerechnet das Wochenende in Wien mit dem Wrider’s Club gemeinsam? Erstaunlich viel.

Kurz nachdem ich anfing übers Radfahren – zu Beginn meist über meinen Ärger über die Hamburger Radverkehrsinfrastruktur – zu schreiben, begegnete ich online Gleichgesinnten.

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