Mit dem Rad durch Emilia-Romagna I

Als Wiebke uns während der Berliner Fahrradschau fragte, ob wir Lust hätten, im Spätherbst gemeinsam in Italien Rad zu fahren, davon einige Tage als Bloggerreise, zückten wir unsere Kalender und sagten zu.

Ende Oktober 2018 war’s dann soweit. Wir – Wiebke, Jule & ich – trafen uns in Bologna, erkundeten die Stadt und die teils überraschende Radinfrastruktur, bevor es gen Riolo Terme in Emilia-Romagna ging. Dort warteten zweieinhalb Tage organisiert durch Andrea von Terrabici und dem lokalen Tourismusverband auf uns – mit vielen kulinarischen, landschaftlichen und historischen Highlights.


Transparenzhinweis: Die Kosten für die zweieinhalb Tage in & um Riolo Therme wurden von Terrabici, einem Zusammenschluss fahrradfreundlicher Hotels in der Region Emilia-Romagna, und dem Tourismusverband übernommen. Alle beschriebenen Erfahrungen und Meinungen sind meine eigenen. 


In Riolo Terme wurden wir herzlich im Grand Hotel empfangen, das sich gerade neu für Radtouristen aufstellt. Es strahlte noch den Charme des alten herrschaftlichen Bades samt Kurpark aus, fast wähnte ich mich in der Mitte des letzten Jahrhunderts. Abends erfuhren wir von der Rally di Romagna, einer fünftägigen MTB-Tour durch die Emilia-Romagna, bei der das gemeinsame Radfahren, Feiern und Essen im Vordergrund stehen. Wer einen der Tage auf dem Rad verpasst – der abendlichen Weinprobe vielleicht den Vorzug gab – startet in den nächsten Tag mit der Zeit des langsamsten Teilnehmers des Vortages.

Am nächsten Morgen durften wir uns schöne Crosser für die nächsten beiden Tage ausleihen. Kaum waren unsere mitgebrachten Pedale angeschraubt, Sattel und Lenker eingestellt, ging’s mit dem Radguide Fabio und Cecilia, die übersetzte, los. Bei leichtem Regen fuhren wir durch die sanft hügelige Landschaft, die größten Anstiege ersparte Fabio uns eher ans Flachland gewöhnten. Zunächst ging’s durch Faenza, in dem ich mich ob des Verhaltens der Autofahrer wie zu Hause fühlte: Grün für Radfahrer und Fußgänger heißt noch lange nicht, dass für sie auch angehalten wird. Kiwi- und Kakifelder reihten sich neben den Wegen. Gerade die Kiwis faszinierten mich. Auf den ersten Blick sahen die „Stöcke“ aus wie übergroße Weinstöcke oder besonders geschnittene Apfelbäume im Alten Land. Nur die Größe und Farbe der Früchte irritierten. Gut, dass Wiebke direkt auf die Kakis hinwies bevor ich mich über die prächtigen – noch nicht geernteten – vermeintlichen Orangen wundern konnte.

Torre di Oriolo

Bald kam die Sonne raus, passend vor dem ersten größeren Anstieg hoch zum Torre di Oriolo. Eigentlich nicht überraschend, dass es bergauf ging, da der Turm zur Überwachung der Via Emilia diente und der Blick entsprechend weit sein sollte. Die größte Herausforderung für mich war, nicht gleich zu Beginn des Anstiegs alle Kraft in die Pedale zu geben, auf dass er schnell vorbei geht. Statt dessen hörte ich auf Jules Tipp, geduldig im eigenen Tempo hochzupedalieren und konnte dabei noch das ein oder andere Foto zu schießen, ohne abzusteigen. Der Turm selber war liebevoll restauriert. Eine Initiative der umliegenden Bauern und Winzer begann in den 90ern das Areal rund um den Turm für Feste  zu nutzen und später die Renovierung anzugehen. Heute kann der Turm für auch für private Feste gemietet werden.

Terra di Brisighella

Kurz darauf schüttete es wie aus Kübeln – ein kurzer Stopp, um die Regenjacken wieder anzuziehen und wieder aufs Rad nach Terra di Brisighella zur Olivenölverkostung. Bis dato fand ich Bierverkostungen schon exotisch, Olivenöl kam mir gar nicht in den Sinn. Nun also die Premiere. Drei verschiedene Öle gab’s mit Brot zu probieren, eins leckerer als das nächste. Hergestellt werden sie aus den Oliven einer Kooperative aus 600-700 Mitgliedern, in dieser eigentlich für Oliven nicht typischen Gegend. Nur Dank der Kreidefelsen, die die Sommerhitze speichern und im Herbst / Winter langsam wieder abgeben, ist es warm genug. Nach dem Genuss einer leckeren Platte mit verschiedenen Käsen, Pasten und Salamis war’s schwer anschließend wieder kraftvoll in die Pedale zu treten. Gefühlt lag der Bauch auf dem Oberrohr.

Bei inzwischen heftigem Dauerregen ging es aus dem Dorf raus zu einer kleinen Kirche aus dem 9. Jahrhundert. Besonders beeindruckend war die Krypta, in der sich quasi ein kleines archäologisches Museum befand. Sogar die alte Gussform für Kirchenglocken war teils noch erhalten.

Der heftigste und längste Aufstieg des Tages folgte und war auch irgendwann geschafft. Die Abfahrt war umso genussvoller: Auf halber Höhe wurden wir mit dem Blick auf eine durch die Wolke brechende Sonne belohnt.

 

 

Bald mehr dazu, wie viel Spaß es am Tag drauf machte, in Imola auf der ehemaligen Formel 1 Strecke zu fahren.

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