Radfahren im Alltag – what else?

Sonnuntergang über der Alster

Ich fahre fast alle Alltagswege mit dem Rad – zur Arbeit, zum Einkaufen, Sport, um Freunde zu treffen, … Da erstaunt es mich manchmal, wenn ich gefragt werde: „Wie, du fährst mit dem Rad? Selbst bei dem Schnee / Regen / Wind / Temperaturen“? Ja klar, was denn sonst? Zurzeit habe ich einen recht kurzen Arbeitsweg von rund 5 Kilometern. Da freue ich mich, alle Jahreszeiten mitzubekommen. Wenn beim Schneesturm bei -12°C die Finger frieren, während ich nur kurz ein Foto von den waagerecht fliegenden Flocken mache, dann hinterfrage ich selten das Radfahren, sondern vielmehr, warum ich so lange für ein Foto brauche und hoffe, dass meine Handschuhe die Finger schnell wieder aufwärmen. Regen hingegen mag ich. Er sorgt meist dafür, dass die Radwege, wenn vorhanden und befahrbar, leerer sind. Da gleichzeitig mehr Autos auf den Straßen sind und nicht mehr gerast werden kann, fährt es sich entspannter.

Das Auto ist für mich keine Alternative in Hamburg. Meistens fahre ich am Autostau vorbei und habe Mitleid mit den darin gefangenen Fahrern, die meist alleine unterwegs sind und damit ihren Teil zum Stau beitragen. Ich für meinen Teil würde ungeduldig und mich eingeschränkt & immobil fühlen. Da kann ich nicht mal eben eine Abkürzung fahren oder absteigen und ggf. ein Stück des Weges über den Gehweg schieben. Und selbst wenn kein Autostau neben mir ist, sehe ich meist dieselben Wagen an jeder Ampel. Wie frustrierend mit einem so hoch motorisierten Gefährt unterwegs und dabei so langsam zu sein! Irgendwo las ich mal*, dass in Hamburg die Durchschnittsgeschwindigkeit in der Rush Hour bei 12 km/h liegt. Aufgrund der Ampelschaltungen bin ich auf den meisten Wegen mit 18-20 km/h unterwegs, mehr als anderthalb mal so schnell.

Den HVV nutze ich eher selten, da mir dann die Bewegung fehlt. Die S-Bahn Richtung Altona nehme ich ab und zu, da ich bisher keine wirklich fahrradfreundliche Strecke in Ost-West-Richtung quer durch die Stadt gefunden habe. Für Tipps bin ich immer dankbar.

Inzwischen ist ein wesentlicher Punkt die Bewegung. Meine täglichen Radkilometer fehlen mir, wenn ich – aus welchem Grund auch immer – mal darauf verzichten muss. Zu selten probiere ich neue Strecken auf meinen Alltagswegen aus. Dabei bin ich immer wieder überrascht, welch schöne Ecken es in Hamburg gibt, die wenig bekannt sind. So entdeckte ich kürzlich eine idyllische Kleingartensiedlung mit viel Grün drum herum, direkt hinter dem Gewerbegebiet in Billstedt. Herrlich.

Hier einige Eindrücke aus diesem Jahr:

 

Nachdem ich über ein Jahrzehnt kein eigenes Auto hatte, habe ich es 2013 für acht Monate noch einmal mit einem probiert. Das Resultat fiel damals so aus, wie es heute ausfallen würde und ist hier nachzulesen.

*Ich meine, es war in einem Mopo- oder Abendblattartikel vor rund fünf Jahren. D. h. jetzt mit der zunehmenden Anzahl an Autos, dürfte sie noch geringer sein. Leider habe ich den Artikel nicht wiedergefunden.

 

 

Radständer mit Sattelschutz

Kopenhagen erfreute mich letztes Wochenende nicht nur wegen seiner großartigen Radverkehrsinfrastruktur. Ich entdeckte darüber hinaus eine neue Art von Radständern. Diese waren nicht nur felgenfreundlich, sie boten gleichzeitig ein kleines Dach für den Sattel. Perfekt.

Rad hängt am Sattel & kann felgenfreundlich an der Stange angeschlossen werden.
Dach für den Sattel

Ob sich so ein Sattelschutz wohl auch für Hamburg lohnt? Regen fällt hier ja eher diagonal bis waagerecht 😉

 

 

Fiete im NDR

Screenshot der Sendung in der NDR Mediathek

„Radfahren – gesund oder gefährlich“ war die Frage der Sendung „plietsch.“ im Norddeutschen Rundfunk (NDR) diese Woche. Es wurden viele Aspekte rund ums Thema betrachtet: U. a. die Radverkehrsinfrastruktur, der gesundheitliche Aspekt und Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad erläuterte, worauf es beim Fahrradkauf ankommt. Bei den verschiedenen Fahrradtypen, die vorgestellt wurden, war mein Brommie Fiete als Faltrad dabei! Spannend zu sehen, was aus den fast drei Stunden, die wir im und um den Elbtunnel an einem verregneten Märzmorgen gefilmt wurden, geworden ist.

Einige Impressionen des Morgens:

Die schönen Bambusräder von myBoo sind in der Sendung ebenfalls zu sehen – im Interview mit Tim Poser, der mit seiner Frau auf darauf nach China gefahren ist. Hier der Link zur Sendung.

Radbuch zum Überleben in der Großstadt

Das Radelmädchen Juliane Schumacher hat ein Buch über das Radfahren in der Großstadt geschrieben: „How to survive als Radfahrer – Wie man auf dem Rad in der Stadt überlebt“ . Die ersten Exemplare sind auf dem Markt und ich freue mich, es bereits als Rezensionsexemplar erhalten zu haben.

Es liest sich locker und leicht, trotz der teils schwierigen Themen, die Jule behandelt. Neben dem Überleben im Großstadtverkehr geht’s um viele Themen rund ums Rad. Dabei gefällt mir der launische Stil, die subjektiven Situationsbeschreibungen, in denen ich mich oft wiederfinde. Vermutlich trägt auch dazu bei, dass wir einiges gemeinsam erlebt haben.

Worum geht’s im Einzelnen? In kurzen Kapiteln beschreibt Jule, wie man sich fürs richtige Rad entscheidet, das Radfahren in den Alltag integriert und so das Rad zum selbstverständlichen Verkehrsmittel der Wahl kürt.

„Wenn Sie dem Fahrrad, dass Sie gerade Probe gefahren sind, bereits im Laden einen Namen geben wollen, dann haben Sie Ihren neuen Wegbegleiter sehr wahrscheinlich gefunden.“

Weiter geht’s mit Tipps für sicheres Fahren in der Stadt, garniert mit weniger schönen Situationen, in die jeder Vielfahrer irgendwann gerät – oft der schlechten Verkehrsinfrastruktur geschuldet.

„Als Radfahrer fühle ich mich nach so vielen Erlebnissen mit Falschparkern, zu knapp überholenden Autofahrern, Fußgängern, die auf den Radweg rennen oder fragwürdigen Baustellenumfahrungen oft nicht sonderlich willkommen auf den Straßen der Stadt. Dennoch treibt es mich immer wieder hinaus, denn die Liebe zum Radfahren ist einfach stärker.“

Dem Gefühl des Radfahrens, das zu Leidenschaften wie dem Rennrad- oder Tourenfahren führt, ist ein weiteres Kapitel gewidmet.

„Auch wenn es nur eine kurze Strecker ist, die Sie bewältigen müssen, jeder Kilometer zählt. Die Bewegung ist in Ihren Alltag integriert – ich kann mir nichts Besseres vorstellen, um aktiv und fit zu bleiben.“

Klar, dass die Radfamilie auch erwähnt wird. Besonders gefällt mir das Kapitel „Was ziehe ich nur an?“. Eine Frage, vor der ich auch oft stehe: Lycra ist für mich Tabu, bisher habe ich auch auf längeren Touren auf Radhosen verzichtet – schmerzhaft und nicht empfehlenswert. In diesem Jahr werde ich erstmals so ein windelartiges Ungetüm testen. Was also tun, wenn Lycra und klassische Outdoorkleidung ausscheiden, da wir in der Stadt fahren, um von einem Ort zum nächsten zu kommen? Jule hat diese Frage direkt in eine Masterarbeit gegossen „Urbane Mode für Frauen mit und ohne Rad“. Herausgekommen ist wunderschöne Kleidung, die sie aus Funktionstextilien hergestellt hat und die NICHT nach Buschtour aussehen. Im letzten Kapitel geht’s dann darum, wie der Einzelne sich etwas von der Sucht, die das Radfahren geworden ist, befreien kann, gnädig zu sich ist und ggf. auch einmal die Bahn nimmt.

Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen und werde es nun noch einmal Kapitel für Kapitel zur Hand nehmen und genießen. A propos, da die einzelnen Kapitel nicht aufeinander aufbauen, lässt es sich gut in der Reihenfolge der eigenen Präferenzen lesen.

Viel Spaß beim Lesen!

Anmerkung: Radfahren in einer Großstadt ist nicht immer vergnüglich, als Krieg – wie im Klappentext – würde ich es inzwischen nicht mehr bezeichnen. Lange hat es meine Haltung im Hanmburger Straßenverkehr geprägt, bis ich beschloss alles gelassener zu sehen. Auf mir bekannten Strecken kenne ich die Ampelphasen, fahre entsprechend angepasst, teils langsam. Nur andere Verkehrsteilnehmer, die durch ihr Verhalten meine Gesundheit gefährden bringen mich in Rage –  unaufmerksam rechtsabbiegende Kraftfahrer, mit festem Blick aufs Smartphone quer über den Radweg laufende Fußgänger, Radfahrer, die ohne Schulterblick und Handzeichen in meine Spur ziehen – und in der Folge zu lautstarkem Ausdruck meines Erschreckens.

The Wrider’s Club & ein Geburtstag

Eben entdeckte ich, was ich im letzten Herbst schon über die Wrider’s Club schrieb und versäumte zu veröffentlichen. Der Blogpost unterstreicht die Erfahrung des Bloggertreffens während der vergangenen Berliner Fahrradschau. Deswegen hier ein „later post“:

hamburgfiets ist vier!
hamburgfiets ist vier!

Von mir unbemerkt feierte hamburgfiets im letzten Oktober seinen vierten Geburtstag. Gedanklich war ich vermutlich schon in Wien und hoffte, dass ich mein neues Rennbrompton rechtzeitig in Bremen würde abholen können. Was hat nun ausgerechnet das Wochenende in Wien mit dem Wrider’s Club gemeinsam? Erstaunlich viel.

Kurz nachdem ich anfing übers Radfahren – zu Beginn meist über meinen Ärger über die Hamburger Radverkehrsinfrastruktur – zu schreiben, begegnete ich online Gleichgesinnten.

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