Nemo – Klaras kleiner Bruder

Nemo Quelle: Nutzmüll e.V.

Mit Nemo hat Hamburg nach Klara* ein zweites kostenloses Lastenrad. Es wird vom Verein Nutzmüll, der an drei Standorten in Hamburg arbeitslosen Menschen neue Perspektiven bietet, verliehen.

„Die Ausleihe ist denkbar einfach: auf www.klara.bike registrieren und
anschließend »Nemo“ oder »Klara« reservieren und abholen. Während Klara mit Muskelkraft betrieben wird, werden Nemo-Nutzer zusätzlich von einem elektrischen Motor unterstützt. Dabei wird selbst bei voller Beladung eine Reichweite von ca. 65 Kilometern erreicht.

Ein weiterer Unterschied: Nemo hat eine feste Station am Nutzmüll-Standort in der Boschstraße 15b in Bahrenfeld. Ermöglicht wurde die Anschaffung des Lastenfahrrads durch eine Zuwendung der HASPA und Mitteln aus dem Tronc-Fonds der Hamburger Bürgerschaft.“

Quelle: ADFC Hamburg & Verein „Nutzmüll e. V.“

*Seit Oktober 2015 kann Klara als erstes kostenfreies Lastenrad in Hamburg ausgeliehen werden. Die Resonanz ist groß – Klara ist fast immer ausgebucht.

Ride of Silence 2018

Am Mittwoch, den 16. Mai 2018 findet weltweit der jährliche „Ride of Silence“ statt.

Warum „Ride of Silence“?

Nach dem tödlichen Verkehrsunfall eines Radfahrers in den USA 2003 organisierten dessen Freunde zu seinem Gedenken den ersten Ride of Silence. 1000 Menschen nahmen teil. Seitdem finden in immer mehr Orten weltweit am dritten Mittwoch im Mai gemeinsame Ausfahrten in Gedenken an die tödlich verunglückten Radfahrer*innen statt. Gefahren wird ruhig, die Strecke verläuft meist an einigen Unfallstellen vorbei. Dabei geht es darum Aufmerksamkeit zu erhalten sowie das Bewusstsein zu erhöhen, dass wir alle – ob im Auto, auf dem Rad oder zu Fuß – Verkehr sind und uns die Straßen teilen. Den ersten deutschen Ride of Silence hat Daniel von it started with a fight gemeinsam mit dem ADFC Osnabrück 2015 angemeldet.

Ride of Silence 2018,    Quelle: ADFC Hamburg

Ride of Silence in Hamburg

In diesem Jahr hat organisiert die Gruppe Hamburger Alltagsradler*innen und der ADFC gemeinsam die stille Tour.

Gestartet wird am Mittwoch, 16. Mai um 19 Uhr am S-Bahnhof Sternschanze (Ausgang Schanzenstraße).

Trauriger Anlass ist in diesem Jahr neben dem jährlichen Aktionstag der tödliche Unfall in der Osterstraße vergangene Woche, bei dem eine 33-jährige Mutter starb.

Noch immer sind Hamburgs Radfahrende zutiefst bewegt und möchten ihrer Trauer, aber auch ihrer Wut darüber Ausdruck verleihen, dass schon wieder ein Mensch sein Leben auf Hamburgs Straßen verlor.

Auch in Aachen, Berlin, Bonn, Köln, Leipzig, München, Oldenburg und Wiesbaden erinnern ADFC-Gruppen und Aktivisten mit stillen Gedenkfahrten an die Radverkehrstoten in ihren Städten. 383 Radfahrer*innen sind 2017 ums Leben gekommen, darunter 15 Kinder. Die häufigste Ursache sind abbiegende Lkw und Pkw. Anders als die Gesamtzahl der Verkehrstoten in Deutschland, nimmt die Zahl der getöteten Radfahrer*innen seit Jahren nicht substanziell ab.
[…]
Als Sofortmaßnahme fordert der Fahrradclub in Hamburg eine Entschärfung der gefährlichen Situationen an Kreuzungen wie der Osterstraße/Eppendorfer Weg, und zwar durch eine Veränderung der Kurvenradien und der Haltelinien. Allein diese beiden einfachen Maßnahmen, die nur etwas Mut und Farbe erfordern, hätten Saskia S. nach Lage der Dinge das Leben retten können!

In Hamburg gibt es immer noch eine viel zu große Anzahl von Kreuzungen, die aus der Zeit der „autogerechten Stadt“ stammen und deren Kurvenradien eine zu hohe Geschwindigkeit beim Abbiegen erlauben. Eine generelle Vorziehung der Haltelinie für den Radverkehr vor die Haltelinie für den motorisierten Verkehr rückt die schwächeren Verkehrsteilnehmer*innen ins Blickfeld. Beides zusammen ist schnell und kostengünstig umsetzbar und kann schwere Unfälle wie den an der Kreuzung Osterstraße/Eppendorfer Weg verhindern.

Quelle: ADFC Hamburg

Pedale & Poeten – le Fahrradabend

Ein Wochenende im März und gleich zwei Radhighlights standen an: In Berlin die Fahrradschau und in Hamburg Pedale & Poeten. Da war gute Planung und Kombination gefragt – Dank der totalen Mobilität mit Brommie ein Klacks. Nach einem Kurzbesuch der Fahrradschau, ging’s fix mit Brompton & Bahn gen Hamburg, um rechtzeitig zu Pedale & Poeten zu sein.

Pedale & Poeten – le Fahrradabend

Zum zweiten Mal lud Rick zu Pedale & Poeten ein und es wurde wieder voll. „Le Fahrradabend“ ist ein entspanntes Zusammensein Hamburger Radfahrer, die sonst in den unterschiedlichsten Kombinationen gemeinsam auf den Straßen unterwegs sind. Los ging’s mit Rick’s unterhaltsamer Schilderung seiner Festive 500 #inonego. Zum Ende des Radjahres hatte er sich der Herausforderung gestellt, alleine die 500 km in einem Rutsch zu fahren, berichtete von Begegnungen mit einer Bestie (= ein Rad jagender Golden Retriever), Eingeborenen im Brandenburgischen und dem Delirium, in das er verfiel, als er zurück in Hamburg die letzten 25 km abspulte. Wahnsinn!

Ebenso beeindruckend war Torsten Franks Bericht seiner Teilnahme am fünften Transcontinental Race (TCR05) im letzten Jahr 2017. Es waren so viele beeindruckende kleine Begebenheiten, die er schilderte, dass ich direkt auf sein TCR05-Tagebuch in seinem Blog verweisen möchte. Mir ist insbesondere Folgendes in Erinnerung geblieben. Während ich bis dato von Langstreckenfahrern gelesen hatte, die Tage und Nächte durchgefahren waren, erschien mir Torstens Taktik sehr überlegt. Er hatte sich vorgenommen nachts auf jeden Fall irgendwo zu schlafen, um dann tagsüber umso fitter viele Kilometer fahren zu können. In Rumänien brach ihm die Vorderradfelge und er fand doch tatsächlich zeitnah einen Radladen, in dem es zwar keine passende Felge gab, aber dessen Inhaber ihm direkt ein neues Laufrad aufbaute, so dass er seine Fahrt fortsetzen konnte. Wo er sich nach dem spätabendlichen Felgenbruch bettete und wie er am nächsten Morgen zu dem Radladen kam, ist eine Geschichte für sich, die auch in seinem Tagebuch zu lesen ist. Leider kostete ihn diese Begebenheit sowie eine fiese Magengeschichte in Bulgarien zu viel Zeit, so dass er nicht mehr offiziell hätte „finishen“ können. Eine positive Bilanz zieht er dennoch:

„Was für Erinnerungen und Eindrücke ich während dieser 17 Tage gesammelt habe! Welche eigentlich irrsinnige Strecke ich in dieser doch recht kurzen Zeit zurücklegte: 3394 Kilometer waren es insgesamt. Wie kurz ich eigentlich vor dem Ziel stand. Und wie ich es doch für mich selbst erreichen konnte. Zwar nicht Meteora, aber #ImgoingtoseeEurope und die Erkenntnisse, die ich gewinnen konnte. Grandiose Erlebnisse, die ich noch lange nach der Rückkehr nach Deutschland verarbeite.“

Quelle: Blog von Torsten Frank

Was für eine Inspiration!

Inspirierend ging’s weiter: Zum dritten Mal startete im März die Transcrimbrica. Zwei Hamburger Radfreunde haben sie ins Leben gerufen, um mal etwas länger als üblich zu fahren. Was liegt da näher als im Winter von Hamburg nach Skagen und wieder zurückzufahren, möglichst abseits großer Straßen? Gefahren wird eigenverantwortlich und im Selbstversorgermodus. Einst war die Fahrt als Rennradfahrt gedacht, aber die dänischen Straßen und Wege boten feinsten Gravel, so dass nun eher Räder mit etwas breiteren Reifen am Start sind. In diesem Jahr war’s so kalt und nass, dass tatsächlich nur einer der Starter durchgekommen ist. Dank an den Sohn von einem der Radfreunde, dessen Film zur diesjährigen Transcimbrica wir sehen durften. Er hat am Start die Fahrer nach ihrer Motivation befragt: Am häufigsten Stand bei den schon vor Kälte Schlotternden „Spaß haben“ im Vordergrund. Ach ja, Transcrimbrica, weil zwischen Hamburg und Skagen die kimbrische Halbinsel zweimal durchquert wird.

 

Im Anschluss las Otto Erich wieder Geschichten von und über Radfahrer. Er legte uns den Covadonga Verlag ans Herz, aus dem ich auch schon das ein oder andere Buch mit Begeisterung gelesen habe. Ein guter Anlass mal wieder im Programm des Verlages zu stöbern. Danke für Lesung & Tipp!

Einige Bücher hatte er direkt mitgebracht, um sie zu verschenken. Dies ging nahtlos über in eine Versteigerung über, die Harald zu Gunsten des Mitternachtbusses der Diakonie veranstaltete.

Das emotionale Highlight des Abends kam zum Schluss. Rick selber wusste nicht worum es gehen würde, hatte noch nicht einmal die leiseste Ahnung oder wie Gert sich immer wieder versicherte „Du hast keine Ahnung was kommt!“ Da Rick seit geraumer Zeit in der Hamburger Radcommunity verschiedene lockere Ausfahrten initiiert wie beispielsweise den First Light Ride , längere Fahrten wie „BBB 1000 – Barmbek-Brügge-Barmbek“ und um darüber zu schnacken im letzten Jahr erstmals zu Pedale & Poeten eingeladen hat, wollten wir ihm etwas zurückgeben. Gert hatte die großartige Idee Rick mit dem Rad – ein gelbes Cannondale, das ihm vor Jahren geklaut wurde und von dem er immer noch wehmütig spricht, – zu überraschen. Gedacht getan: Gemeinsam mit Harald richtete Gert kurzerhand eine Facebookgruppe ein, um Mitstreiter zu finden, fand ein Baugleiches auf ebay, bot für das Rad und bekam den Zuschlag. Inzwischen waren viele dem Aufruf gefolgt, Harald als Schatzmeister verkündete gefühlt stündlich den €-Zwischenstand. Es reichte, um nicht nur das Rad zu kaufen, nach Hamburg zu holen und instand zu setzen. Nun fehlte nur noch ein weiterer Pedale & Poeten Abend. Aber die Details beschreibt Gert am besten selber, hier nachzuhören in Regines Radsalon. Ohne dem Radsalon zuviel vorweg nehmen zu wollen: Die Überraschung ist gelungen 🙂

A propos, Dank Regine, kann der gesamte „Le Fahrradabend“ noch einmal nachgehört werden:

 

Vielen Dank an Rick und alle, die zu diesem großartigen Abend beigetragen haben!

Demo für eine lebenswerte Habichtstraße

Im Rahmen der Instandsetzung des Ring 2, liegen die Pläne für den Abschnitt Habichtstraße vor: Der motorisierte Verkehr ist vierstreifig mit grüner Welle geplant, die Parkplätze sollen verbreitert werden. Fuß- und Radverkehr hingegen sollen sich einen etwa 2,5m breiten Weg teilen, dazu sind Bettelampeln vorgesehen. Die Lärmbelastung für die Anwohner überschreitet schon heute die Grenzwerte.

Der Lärm in der Habichtstraße (Pfeil) überschreitet tagsüber und nachts die zulässigen Grenzwerte. Quelle: ADFC Hamburg

Diese am motorisierten Individualverkehr ausgerichtete Planung ist gerade in einer wachsenden Stadt wie Hamburg wenig zukunftsorientiert. Vielmehr sollten Anreize geschaffen werden, vom eigenen Auto auf andere Verkehrsmittel umzusteigen. Deswegen fordert ein Bündnis* aus Organisationen und Vereinen ein Konzept, das die Aufenthalts- und Nutzungsqualität für alle erhöht. Die konkreten Forderungen:

* getrennte Wege für Fuß + Rad, um Konflikte zu vermeiden

* zukunftsfähige Verkehrsflächen auch für Lastenräder, Kinderanhänger und Pedelecs

* mehr Platz für Kinder auf dem Weg zu Kita, Schule, Sport sowie für Senior*innenen und Menschen mit Behinderungen

* Lärm- und Abgasreduzierung durch weniger motorisierten Verkehr und Tempo 30

*Angebote für den Umstieg vom Auto auf den ÖPNV und das Fahrrad schaffen

*mehr Grünflächen und Bäume

Quelle: ADFC Hamburg

Um den Forderungen Nachruck zu verleihen, ruft das Bündnis* zur Demonstration „Lebenswerte Habichtstraße“ auf:

Setzen Sie sich für einen lebenswerten Stadtteil ein.
Kommen Sie am
25. März ab 15 Uhr
in die Habichtstraße
auf Höhe der Köster-Stiftung (zwischen Meisenstraße und Bramfelder Straße).

Bringen Sie eine Topf-Pflanze mit!
Wir simulieren mit den Pflanzen auf den Parkplätzen einen Grünstreifen.

Quelle: ADFC Hamburg

Demoaufruf, Quelle: ADFC Hamburg

 

 

 

*Greenpeace, ADFC, VCD, Fuss e.V., Seniorenbeirat Hamburg-Nord, Stadtteilrat Dulsberg, Stadtteilrat Barmbek-Nord, Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. sowie Radentscheid Hamburg

 

 

Auf zum Ahrberg – mein erstes Mal

Auf zum Ahrberg #5 oder wie es in der Ankündigung sinngemäß hieß „die letzte Herbstfahrt des Jahres“ am ersten Dezemberwochenende. Als die Strecke gepostet wurde, las ich eine für mich beeindruckende Länge von 138 Kilometern. Schon im letzten Jahr tanzte „AzA“ durch meine Facebook-Timeline, mit einigen Bromptonauten überlegte ich mit Fiete diese Crosstour anzugehen. Angesichts von Temperaturen um die Null Grad und heftigem Regen in den Tagen davor, nahm ich 2016 noch Abstand davon. Ich gebe zu, auch die Aussicht mit einem völlig verdreckten Fiete anschließend um die Badewanne zu konkurrieren, schreckte mich.

In diesem Jahr sollte es anders werden, mit elbX hatte ich nun das perfekte Rad. Irgendwann im Herbst erwähnte ich einer Freundin gegenüber, dass ich mit dem Gedanken spielen würde, mitzufahren, aber nicht die richtigen Radklamotten hätte – meine letzte Ausrede, um doch zu kneifen. Als Antwort bekam ich direkt Tipps zu passender Bekleidung und damit war besiegelt, dass wir mitfahren würden. Noch zwei Tage vorher saßen wir abends beim Wein und überlegten angesichts der angekündigten -1°C mit Südwestwind, wieviele Lagen Shirts & Hosen notwendig sein würden und versicherten uns, dass wir beim kleinsten Anzeichen von Niesel nicht starten würden. Freitagabend war klar, es würde trocken bleiben. Das hieß, endlich die Cleats unter meine neuen Radstiefel zu schrauben und jede Menge Riegel einzupacken. Vor der Streckenlänge hatte ich gehörigen Respekt. Bislang war ich erst einmal mit dem Brompton rund 100 km relativ fix am Stück gefahren. Für die rund 120 km-Tour mit elbX von Bremen nach Hamburg im September hatten wir uns entspannt den ganzen Tag Zeit genommen und zwischendurch immer wieder die Sonne genossen. Immerhin lagen einige 40km-Fahrten auf dem Brommie in der Woche davor hinter mir.

Dann war’s soweit, Sonnabendmorgen ab neun Uhr wurde es voll am Ausgang des alten Elbtunnels südlich der Elbe. Bestimmt 60 Fahrer*innen sammelten sich, schnackten noch ein wenig und dann ging’s los. Dank eines letzten Fotos & dem direkten Runterfallen meines erstmals angesteckten Ass-Savers, fuhren wir direkt ganz hinten. Egal, erst einmal raus aus dem Hafengebiet gen Bunthäuser Spitze hieß es und zu versuchen eine Geschwindigkeit zu finden, mit der ich die gesamte Strecke fahren kann, ohne dem Drang nachzugeben, irgendwie an die vor mir Fahrenden heranzukommen. Da direkt ein großer Dank an Olaf, der mich am Anfang ob der vermeintlich langsamen Geschwindigkeit beruhigt hat und der sich als super Tourenpartner für die Strecke erwiesen hat! Kurz darauf kam das erste unbefestigte Stück mit einem quer liegenden Baum – aufregend für mich, erstmals trug ich elbX über ein Hindernis. Das fühlte sich gleich an wie großes Crosskino. Passend dazu trafen wir Dawid und Gert wieder, das Viererdreamteam für den Rest des Tages war komplett.

Kurz darauf fuhren wir unter dem Maschener Güterbahnhof durch. Dieser 300m lange und nur 1,80m hohe Tunnel ließ meinen Puls steigen: Nur alle ca. 50m gab es einen Lichtschacht, neben dem schmalen Weg trennte uns kein Gitter vom Flüsschen Seeve und keiner von uns schien den Tunnel vorausgeahnt zu haben – wir rollten im Dustern. Abgesehen davon, dass ich mich nicht traute die Hände vom Lenker zu nehmen, hätte ich mit den zwei Paar Handschuhen übereinander mein Vorderlicht nicht anknipsen können. Keiner sprach, wir rollten schweigend. Ich war froh, dass vor mir Olaf mit seinem Trike fuhr und damit schon drei Fahrspuren mit potenziellen Hindernissen abdeckte. Nach einem gefühlten Kilometer endete der Tunnel endlich.

Weiter ging’s in ein forderndes Waldstück, das uns mit tiefem Sand begrüßte. Während die anderen schon schoben, dachte ich, dass ich elbX irgendwie fahrend durch den Sand bringen würde. Da war der Wunsch Vater des Gedanken: Schnell sanken meine Räder zentimetertief ein, das Rad kippte in Zeitlupe nach rechts und ich landete auf dem kiefernadelweichen Boden. Nun wusste ich, dass ich die Cleats richtig eingestellt hatte, die Stiefel lösten sich schon im Fall von den Pedalen. Schiebend ging’s weiter, bevor ein etwas befestigteres Stück den Wald entlang folgte. An der nächsten Kurve schwenkten wir wieder in den Wald, kurz währte die Freude über die Windstille, dann hieß es wieder absitzen und schieben. Diesmal war Matsch die Ursache. Er war so tief, dass ich kurz fürchtete, er würde mir bis in die Stiefel laufen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich alle Gedanken an irgendeine schöne Durchschnittsgeschwindigkeit verworfen. Mein Garmin tat sein Übriges dazu, indem er immer wieder anzeigte „no recording“ da er keine Bewegung über drei km/h mehr feststellen konnte. Ein etwas festerer Sandweg erlaubte ein erneutes Aufsteigen und Fahren. Es ging zwar mit etwas Gegenwind bergauf, aber wie die angezeigten zehn km/h hatte es sich für mich nicht angefühlt. Unglaublich, wie viel Sand, Steigung und Wind ausmachen! „No recording“ zeigte der Garmin erneut an, als es später über altes Kopfsteinpflaster bergauf ging. Der Fixiefahrer, der zu dem Zeitpunkt noch mit uns fuhr, war schon abgestiegen und schob..

Together. #AzA5 #cyclingUnites #ridewithaview

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Nach etwa vier Stunden, etlichen Anstiegen und etwa 75km erreichten wir als Letzte den Ahrberg, wo netterweise das Versorgungsteam auf uns wartete. Selten hat mir ein Schwarzbrot besser geschmeckt. 1000 Dank, dass ihr noch da wart!

Meine Überlegung ab Winsen/Luhe den Zug zurück zu nehmen wurde torpediert von der Aussicht nun keine Schiebestrecken mehr zu haben und „nur noch“ 50 km zu fahren. Wie ich auf die 50km kam, weiß ich bis heute nicht. Ohne diesen Glauben wäre ich wohl nicht weitergefahren. Relativ direkt ging’s zur Elbe, an der wir Olaf verabschiedeten. Kurz vor Harburg dachte ich noch einmal über die S-Bahn nach, aber der Gedanke, das Rad nun auf einen Bahnsteig tragen zu müssen und ggf. in der Kälte auf die Bahn zu warten, ließ mich weiterfahren. Dazu trug bei, dass Dawid uns über die schöne alte Elbbrücke über die Süderelbe führte, die auch im Dunkeln faszinierte. Die letzten Kilometer hatte ich nur noch meine Badewanne vor Augen. Ich stoppte vor der Haustür nur kurz, um elbX abzubürsten und genoss wenige Minuten später das Gefühl auftauender Knochen.

Was für ein Tag, was für ein Erlebnis!

 

Mein Fazit:

Das Menschliche:

  • Dank an Babsy, die mich mit ihren Klamottentipps im Vorfeld darin bestärkte, dass die Tour irgendwie zu schaffen wäre.
  • Ohne das Viererdreamteam wäre ich wohl nicht durchgefahren. Danke euch Dreien, dass ihr so tolle Tourenpartner wart!

Das Material:

  • Die Radstiefel von Vaude haben sich bewährt, meine Füße wurden nur selten kalt, schon kurzes Absteigen und Gehen wärmte für die nächsten Kilometer.
  • Der Tipp zum Radfahren den eigentlich für Skilanglauf gedachten Primaloftrock von Löffler zu nutzen war Gold wert. Danke Lyss!
  • Meine jahrelang zum Rudern genutzte Windjacke war nicht mehr wirklich winddicht, da muss Ersatz her.
  • Drei Lagen unterschiedlich langer und dicker Merinoshirts hielten warm. Den Tipp darunter noch ein „Plastik“-Trikot zu ziehen, um die Feuchtigkeit vom Körper wegzutransportieren, werde ich beim nächsten Mal ausprobieren.
  • Die Kombination aus winddichter Sommerwanderhose, dreiviertel Radhose und langer, dünner Merinohose war warm genug.
  • Zwei Paar Handschuhe – ein dünnes vom Joggen und dickere Skihandschuhe – waren ok. Etwas Winddichteres möchte ich beim nächsten Mal nutzen.
  • Die dünne Daunenjacke, die im Packsack unterm Oberrohr hing, habe ich zwar nicht genutzt, aber es war beruhigend zu wissen, dass ich sie jederzeit hätte auspacken können. Ich würde sie wieder mitnehmen.
  • In der Oberrohrtasche war die Technik verstaut. Zwar brauchte ich den Akkupak diesmal erstaunlicherweise nicht für den Garmin, aber ich würde ihn wieder mitnehmen.
  • Das Vorderlicht von knog gab trotz voller Akkuladung recht fix auf. Da war ich froh einen zweiten Satz Anstecklichter dabei zu haben.
  • In der Satteltasche steckten Flickzeug und Riegel, die Luftpumpe kam beim Platten eines anderen Fahrers zum Einsatz. Riegel habe ich zu wenige gegessen, was ich am Zittern abends merkte. Ich werde sie beim nächsten Mal mit Traubenzucker ergänzen.
  • Auch wenn ich die zweite Wasserflasche nur angebrochen habe, möchte ich nicht auf sie verzichten.
  • Das warme Ingwerwasser im 500ml Thermobecher am Lenker wärmte auf dem Ahrberg gut auf. Schade, dass ich nicht früher daran gedacht hatte, etwas davon zu trinken.

Das Rad:

  • elbX hat sich bewährt. Er fährt sich traumhaft, ist wunderbar leicht und ich bin nach wie vor begeistert von seinem Anblick. Danke an Christian von bikespresso, dass du mich so gut beraten und ihn mit mir zusammengebaut hast!

Hier gibt’s ein Video samt Bericht zur Fahrt.

 

Nun wird es Zeit, dass ich endlich mein Rezensionsexemplar von „Rad und raus“ lese, um noch mehr Tipps zum Querfeldeinfahren und Bikepacking zu bekommen. Weitere Motivation geben mir das Buch „Randonnée – ein Ultracycling Tagebuch“ und eine Satteltasche, in die mehr als Flickzeug und Riegel passen. Die größte Inspiration bekomme ich sowieso aus der tollen Hamburger Radcommunity. Ich freue mich aufs kommende Jahr und weitere lange Fahrten!

 

 

 

Euch ein frohes, neues Jahr und immer genug Luft im Reifen!

 

 

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