Trackride – mein erstes Mal auf der Radrennbahn

In meinem Umfeld mehrten sich die begeisterten Berichte von ersten Versuchen auf der Radrennbahn. Dazu stand seit dem Frühjahr die Einladung, mich doch einmal selber darauf zu wagen. Irgendwie klang es ja verlockend etwas ganz Neues mit dem Rad zu probieren, aber irgendetwas kam immer dazwischen. Sonnabend war’s dann endlich soweit. Die Radrennbahn Hamburg lud am Cyclassics-Wochenende Radsportfans ein, sich selber einmal auf die Bahn zu wagen. Von der Radmesse am Rathaus ging’s mit einer kleinen Gruppe raus nach Stellingen, Sightseeing für die Nichthamburger inklusive.

Vor Ort mussten wir durch einen schmalen Tunnel, um ins Innere der Bahn zu gelangen. Meine bisherigen Kenntnisse beschränkten sich auf Tagesschauberichte der Sechstagerennen sowie das ein oder andere Youtube-Video. Unter dem imposanten Zeltdach wirkte die Bahn noch steiler als geahnt. Die Kurven ragten wie eine Wand vor uns auf. Der Gedanke „und da fällt man nicht runter??“ stand im Raum, vergessen die Videos, die das Gegenteil zeigten.

 

Die Bahnräder, die wir uns leihen durften, erschienen federleicht. Kein Wunder, ist doch jeglicher Firlefanz abgeschraubt: Es gibt keinerlei Bremse, keine Gänge und die Pedale drehen sich weiter, solange das Rad in Bewegung ist. Einen Freilauf gibt es nicht. Für mich auch neu: Die sehr überhöhte Sitzposition. Schon bei meiner Sitzposition auf elbX traue ich mich kaum in den Unterlenker zu greifen, wie sollte ich jemals den des Bahnrades erreichen können?

Nach den ersten Instruktionen hieß es ab auf den Sattel. Mich nicht davon irritieren zu lassen, dass die Pedale einfach weiterdrehen, war eine kurze Herausforderung. Den Versuch die Schuhe in die Pedalkäfige zu manövrieren gab ich schnell auf und montierte lieber Klickpedale. Dann ging’s in die ersten Runden im Innenring, d. h. neben der Bahn entlang, um ein Gefühl fürs Rad zu bekommen. Es trat sich fix an, machte Spaß. Nur als ich kurz aufhörte zu treten, wurde ich unsanft daran erinnert, dass die Pedale mich nicht einfach lassen. Also hieß es weitertreten und auszuprobieren, wieviel Gegendruck notwendig ist, um das Rad zu stoppen. Letzteres ging direkt mit der nächsten Herausforderung einher: Wie komme ich elegant aus den Klickis, ohne vom Rad zu kippen? Mit der Kraft des kurzen Erschreckens, klappte auch dies.

Nun wollte ich aber auch auf die Bahn. Oder eher: vorsichtig die kleine Steigung auf die Gerade herauffahren. Zum Glück stand mir mit Karsten ein erfahrener Bahnfahrer zur Seite, der locker neben mir fuhr, es vormachte und dann viele Runden parallel ganz oben in der Bahn fuhr. Seine zugerufenen Tipps und seine stetige Fahrt beruhigten mich. Langsam traute ich mich immer weiter in die Kurven – jedes Mal mit der kleinen Schrecksekunde und dem Gedanken „Huch, jetzt ist es steil, hoffentlich rutsche ich nicht!“ Mantraartig hörte ich von oben „In der Kurve Gas geben!“. OK, also Gas! Und es funktionierte! Die erste Kurve lag hinter mir. Was für ein Spaß! Ab auf die Gerade und in die nächste Kurve.

Die ersten Runden fuhr ich mittig zwischen der schwarzen Linie (ca. 20 cm vom Innenrand) und der roten, der sogenannten Spinterlinie, etwa einen Meter höher. Dann musste ich erstmal runter und meine Hände ausschütteln. Ich hatte gar nicht gemerkt, wie fest ich den Lenker gegriffen hatte. Und weiter. Diesmal wagte ich mich etwas oberhalb der roten Linie, fasziniert davon, dass Karsten, der ganz oben in der Bahn fuhr, so locker und leicht seine Runden drehte. Noch einmal musste ich pausieren und die Hände ausschütteln. Dabei war es beeindruckend zu sehen, dass die beiden extra fürs Radrennbahnfahren angereisten Darmstädter oberhalb der blauen Linie (ca. 2m oberhalb des Innenrandes, die sogenannte Steherlinie) entlangflitzten. Stark!

Da wollte ich auch hin. Also wieder aufs Rad, eingeklickt und rauf auf die Bahn. Die blaue Linie im Blick war ich in der nächsten Kurve oberhalb und machte den Fehler nach unten zu schauen. „Huch! Ist das steil! Gleich rutsche ich runter!“ klang’s in meinem Kopf. Zum Glück direkt abgelöst durch „In der Kurve Gas geben!“ Dann war ich glücklicherweise schon wieder auf der Geraden, wenn auch mit erhöhtem Herzschlag. Langes Nachdenken verbot sich, die nächste Kurve war vor mir und unter die blaue Linie wollte ich nicht noch einmal. 🙂

Herrlich!

Ich hätte nicht vermutet, dass es so einen Spaß machen würde, dass ich noch abends ein versonnenes Lächeln auf dem Gesicht haben würde. Vielen Dank an Florian, Jörg und Karsten für die Möglichkeit, einmal auf der Radrennbahn zu fahren!

 

Übrigens: Zum Saisonfinale am 15. September 2018 ist die nächste Gelegenheit selber einmal eine Runde auf der Radrennbahn zu drehen. Ab 10 Uhr heißt es „Bahn für alle“. Mehr Infos gib’s beim Radsport-Verband Hamburg.

 

Dank an Florian für die Impressionen im bewegten Bild:

 

 

 

1 comment

  1. Hallo Miriam, finde ich super, dass Du Dich das getraut hast! Die Bahn zu probieren steht auch irgendwo auf meiner Wunschliste, und Dein Bericht vermittelt gut, wie es sich anfühlen könnte. Bringt mir viel mehr als nur zu lesen „ist doch ganz einfach“ 😉 Danke dafür und lieben Gruß!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.