Auf zum Ahrberg – mein erstes Mal

Auf zum Ahrberg #5 oder wie es in der Ankündigung sinngemäß hieß „die letzte Herbstfahrt des Jahres“ am ersten Dezemberwochenende. Als die Strecke gepostet wurde, las ich eine für mich beeindruckende Länge von 138 Kilometern. Schon im letzten Jahr tanzte „AzA“ durch meine Facebook-Timeline, mit einigen Bromptonauten überlegte ich mit Fiete diese Crosstour anzugehen. Angesichts von Temperaturen um die Null Grad und heftigem Regen in den Tagen davor, nahm ich 2016 noch Abstand davon. Ich gebe zu, auch die Aussicht mit einem völlig verdreckten Fiete anschließend um die Badewanne zu konkurrieren, schreckte mich.

In diesem Jahr sollte es anders werden, mit elbX hatte ich nun das perfekte Rad. Irgendwann im Herbst erwähnte ich einer Freundin gegenüber, dass ich mit dem Gedanken spielen würde, mitzufahren, aber nicht die richtigen Radklamotten hätte – meine letzte Ausrede, um doch zu kneifen. Als Antwort bekam ich direkt Tipps zu passender Bekleidung und damit war besiegelt, dass wir mitfahren würden. Noch zwei Tage vorher saßen wir abends beim Wein und überlegten angesichts der angekündigten -1°C mit Südwestwind, wieviele Lagen Shirts & Hosen notwendig sein würden und versicherten uns, dass wir beim kleinsten Anzeichen von Niesel nicht starten würden. Freitagabend war klar, es würde trocken bleiben. Das hieß, endlich die Cleats unter meine neuen Radstiefel zu schrauben und jede Menge Riegel einzupacken. Vor der Streckenlänge hatte ich gehörigen Respekt. Bislang war ich erst einmal mit dem Brompton rund 100 km relativ fix am Stück gefahren. Für die rund 120 km-Tour mit elbX von Bremen nach Hamburg im September hatten wir uns entspannt den ganzen Tag Zeit genommen und zwischendurch immer wieder die Sonne genossen. Immerhin lagen einige 40km-Fahrten auf dem Brommie in der Woche davor hinter mir.

Dann war’s soweit, Sonnabendmorgen ab neun Uhr wurde es voll am Ausgang des alten Elbtunnels südlich der Elbe. Bestimmt 60 Fahrer*innen sammelten sich, schnackten noch ein wenig und dann ging’s los. Dank eines letzten Fotos & dem direkten Runterfallen meines erstmals angesteckten Ass-Savers, fuhren wir direkt ganz hinten. Egal, erst einmal raus aus dem Hafengebiet gen Bunthäuser Spitze hieß es und zu versuchen eine Geschwindigkeit zu finden, mit der ich die gesamte Strecke fahren kann, ohne dem Drang nachzugeben, irgendwie an die vor mir Fahrenden heranzukommen. Da direkt ein großer Dank an Olaf, der mich am Anfang ob der vermeintlich langsamen Geschwindigkeit beruhigt hat und der sich als super Tourenpartner für die Strecke erwiesen hat! Kurz darauf kam das erste unbefestigte Stück mit einem quer liegenden Baum – aufregend für mich, erstmals trug ich elbX über ein Hindernis. Das fühlte sich gleich an wie großes Crosskino. Passend dazu trafen wir Dawid und Gert wieder, das Viererdreamteam für den Rest des Tages war komplett.

Kurz darauf fuhren wir unter dem Maschener Güterbahnhof durch. Dieser 300m lange und nur 1,80m hohe Tunnel ließ meinen Puls steigen: Nur alle ca. 50m gab es einen Lichtschacht, neben dem schmalen Weg trennte uns kein Gitter vom Flüsschen Seeve und keiner von uns schien den Tunnel vorausgeahnt zu haben – wir rollten im Dustern. Abgesehen davon, dass ich mich nicht traute die Hände vom Lenker zu nehmen, hätte ich mit den zwei Paar Handschuhen übereinander mein Vorderlicht nicht anknipsen können. Keiner sprach, wir rollten schweigend. Ich war froh, dass vor mir Olaf mit seinem Trike fuhr und damit schon drei Fahrspuren mit potenziellen Hindernissen abdeckte. Nach einem gefühlten Kilometer endete der Tunnel endlich.

Weiter ging’s in ein forderndes Waldstück, das uns mit tiefem Sand begrüßte. Während die anderen schon schoben, dachte ich, dass ich elbX irgendwie fahrend durch den Sand bringen würde. Da war der Wunsch Vater des Gedanken: Schnell sanken meine Räder zentimetertief ein, das Rad kippte in Zeitlupe nach rechts und ich landete auf dem kiefernadelweichen Boden. Nun wusste ich, dass ich die Cleats richtig eingestellt hatte, die Stiefel lösten sich schon im Fall von den Pedalen. Schiebend ging’s weiter, bevor ein etwas befestigteres Stück den Wald entlang folgte. An der nächsten Kurve schwenkten wir wieder in den Wald, kurz währte die Freude über die Windstille, dann hieß es wieder absitzen und schieben. Diesmal war Matsch die Ursache. Er war so tief, dass ich kurz fürchtete, er würde mir bis in die Stiefel laufen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich alle Gedanken an irgendeine schöne Durchschnittsgeschwindigkeit verworfen. Mein Garmin tat sein Übriges dazu, indem er immer wieder anzeigte „no recording“ da er keine Bewegung über drei km/h mehr feststellen konnte. Ein etwas festerer Sandweg erlaubte ein erneutes Aufsteigen und Fahren. Es ging zwar mit etwas Gegenwind bergauf, aber wie die angezeigten zehn km/h hatte es sich für mich nicht angefühlt. Unglaublich, wie viel Sand, Steigung und Wind ausmachen! „No recording“ zeigte der Garmin erneut an, als es später über altes Kopfsteinpflaster bergauf ging. Der Fixiefahrer, der zu dem Zeitpunkt noch mit uns fuhr, war schon abgestiegen und schob..

Together. #AzA5 #cyclingUnites #ridewithaview

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Nach etwa vier Stunden, etlichen Anstiegen und etwa 75km erreichten wir als Letzte den Ahrberg, wo netterweise das Versorgungsteam auf uns wartete. Selten hat mir ein Schwarzbrot besser geschmeckt. 1000 Dank, dass ihr noch da wart!

Meine Überlegung ab Winsen/Luhe den Zug zurück zu nehmen wurde torpediert von der Aussicht nun keine Schiebestrecken mehr zu haben und „nur noch“ 50 km zu fahren. Wie ich auf die 50km kam, weiß ich bis heute nicht. Ohne diesen Glauben wäre ich wohl nicht weitergefahren. Relativ direkt ging’s zur Elbe, an der wir Olaf verabschiedeten. Kurz vor Harburg dachte ich noch einmal über die S-Bahn nach, aber der Gedanke, das Rad nun auf einen Bahnsteig tragen zu müssen und ggf. in der Kälte auf die Bahn zu warten, ließ mich weiterfahren. Dazu trug bei, dass Dawid uns über die schöne alte Elbbrücke über die Süderelbe führte, die auch im Dunkeln faszinierte. Die letzten Kilometer hatte ich nur noch meine Badewanne vor Augen. Ich stoppte vor der Haustür nur kurz, um elbX abzubürsten und genoss wenige Minuten später das Gefühl auftauender Knochen.

Was für ein Tag, was für ein Erlebnis!

 

Mein Fazit:

Das Menschliche:

  • Dank an Babsy, die mich mit ihren Klamottentipps im Vorfeld darin bestärkte, dass die Tour irgendwie zu schaffen wäre.
  • Ohne das Viererdreamteam wäre ich wohl nicht durchgefahren. Danke euch Dreien, dass ihr so tolle Tourenpartner wart!

Das Material:

  • Die Radstiefel von Vaude haben sich bewährt, meine Füße wurden nur selten kalt, schon kurzes Absteigen und Gehen wärmte für die nächsten Kilometer.
  • Der Tipp zum Radfahren den eigentlich für Skilanglauf gedachten Primaloftrock von Löffler zu nutzen war Gold wert. Danke Lyss!
  • Meine jahrelang zum Rudern genutzte Windjacke war nicht mehr wirklich winddicht, da muss Ersatz her.
  • Drei Lagen unterschiedlich langer und dicker Merinoshirts hielten warm. Den Tipp darunter noch ein „Plastik“-Trikot zu ziehen, um die Feuchtigkeit vom Körper wegzutransportieren, werde ich beim nächsten Mal ausprobieren.
  • Die Kombination aus winddichter Sommerwanderhose, dreiviertel Radhose und langer, dünner Merinohose war warm genug.
  • Zwei Paar Handschuhe – ein dünnes vom Joggen und dickere Skihandschuhe – waren ok. Etwas Winddichteres möchte ich beim nächsten Mal nutzen.
  • Die dünne Daunenjacke, die im Packsack unterm Oberrohr hing, habe ich zwar nicht genutzt, aber es war beruhigend zu wissen, dass ich sie jederzeit hätte auspacken können. Ich würde sie wieder mitnehmen.
  • In der Oberrohrtasche war die Technik verstaut. Zwar brauchte ich den Akkupak diesmal erstaunlicherweise nicht für den Garmin, aber ich würde ihn wieder mitnehmen.
  • Das Vorderlicht von knog gab trotz voller Akkuladung recht fix auf. Da war ich froh einen zweiten Satz Anstecklichter dabei zu haben.
  • In der Satteltasche steckten Flickzeug und Riegel, die Luftpumpe kam beim Platten eines anderen Fahrers zum Einsatz. Riegel habe ich zu wenige gegessen, was ich am Zittern abends merkte. Ich werde sie beim nächsten Mal mit Traubenzucker ergänzen.
  • Auch wenn ich die zweite Wasserflasche nur angebrochen habe, möchte ich nicht auf sie verzichten.
  • Das warme Ingwerwasser im 500ml Thermobecher am Lenker wärmte auf dem Ahrberg gut auf. Schade, dass ich nicht früher daran gedacht hatte, etwas davon zu trinken.

Das Rad:

  • elbX hat sich bewährt. Er fährt sich traumhaft, ist wunderbar leicht und ich bin nach wie vor begeistert von seinem Anblick. Danke an Christian von bikespresso, dass du mich so gut beraten und ihn mit mir zusammengebaut hast!

Hier gibt’s ein Video samt Bericht zur Fahrt.

 

Nun wird es Zeit, dass ich endlich mein Rezensionsexemplar von „Rad und raus“ lese, um noch mehr Tipps zum Querfeldeinfahren und Bikepacking zu bekommen. Weitere Motivation geben mir das Buch „Randonnée – ein Ultracycling Tagebuch“ und eine Satteltasche, in die mehr als Flickzeug und Riegel passen. Die größte Inspiration bekomme ich sowieso aus der tollen Hamburger Radcommunity. Ich freue mich aufs kommende Jahr und weitere lange Fahrten!

 

 

 

Euch ein frohes, neues Jahr und immer genug Luft im Reifen!

 

 

Zeit für Coffeeneuring!

Coffeeneuring Patches 2015 & 2016

Die Tage werden kürzer, das Wetter ungemütlicher – ein untrügliches Zeichen, dass es bald wieder Zeit für Coffeeneuring ist!

Die Coffeeneuring Challenge kombiniert Radausfahrten mit Cafébesuchen. Erdacht hat sich die Challenge Mary aus Washington D.C., um einen Anreiz für kleine Entdeckungstouren im Herbst zu schaffen.

 

Sieben ist dabei Trumpf: Um die Challenge zu bestehen, muss man

  • an sieben Tagen, in der Zeit vom 13.10. bis 19.11.2017
  • zu sieben verschiedenen Orten fahren,
  • bei maximal zwei Fahrten pro Woche,
  • dabei in Summe mindestens zwei Meilen (= 3,22 km) zurücklegen,
  • sieben Tassen Kaffee (oder Vergleichbares) trinken und
  • sieben Fotos als Beweis fürs Coffeeneuring posten.

Passend dazu jährt sich die Challenge in diesem Jahr zum siebten Mal. Mary schreibt dazu:

My favorite birthday card ever was from my seventh birthday. The card read:

“Seven is a lucky number
That’s what people say
And so your seventh birthday
Ought to be your lucky day.”

Quelle: Chasing Mailboxes

Jeder, der gerne Rad fährt und Café, Tee, eine heiße Schokolade oder Ähnliches genießt, ist herzlich eingeladen teilzunehmen.

Ich kann es nur empfehlen: Die Coffeeneuring Challenge hat mich in den letzten beiden Jahren an so manch ungemütlichem Tag vom Sofa geholt. Der Aspekt, dass unterschiedliche Cafés angefahren werden müssen, führte dazu, dass ich neue Orte und Wege in Hamburg entdeckte. Da auch Outdoor-Cafés erlaubt sind, war das klare Highlight im letzten Jahr eine Ausfahrt frühmorgens an die Elbe, bei Minustemperaturen, um dort den Café im Sonnenaufgang zu genießen.

Um die Challenge zu bestehen, müssen die hier (engl.) aufgelisteten Regeln eingehalten werden. Zum Austausch gibt’s eine Coffeeneuring Gruppe auf Facebook, den Tag #Coffeeneuring  auf twitter und instagram sowie die Möglichkeit Fotos in der Coffeeneuring group auf flickr zu teilen.

Ich bin gespannt, welche Orte, Cafés und Wege ich in diesem Jahr entdecken werde.

Viel Spaß allen, die dabei sein werden!

 

Hier meine Ausfahrten aus 2015 & 2016:

2016:

 

2015:

 

 

 

 

Unterwegs auf dem Hamburg-Rügen-Radweg

Nach und nach erfahre ich mir den Hamburg-Rügen-Radweg*. An einem Juniwochenende ging’s nun von Ratzeburg nach Bützow. Gleich zu Beginn gab’s den ersten Schreck: Die von mir zusammengestellte Strecke, die uns vom Ratzeburger Bahnhof direkt zum Ruderclub am Schweriner Schloss führen sollte, wurde auf dem Garmin nicht mehr angezeigt. Zum Glück hatte ich auch die gesamte Strecke Hamburg-Rügen geladen, so dass wir nur einmal über die Ratzeburger Insel zum offiziellen Streckenverlauf fahren mussten. Für mich gab’s gleich die nächste Überraschung, hatte ich doch nach der letzten Radtour in dieser Gegend direkt verdrängt, wie hügelig es hier ist! Die Höhenmeterangaben der zusammengestellten Strecke hatte ich erneut ignoriert, da ich mich in der Ebene wähnte. Das wird mir nicht noch einmal passieren! Über 900 Meter hoch und wieder runter sollte es an den zwei Tagen gehen.

Die ersten 20 Kilometer zogen sich. Es ging teils steil bergauf, dazu gesellte sich Niesel und zu guter Letzt hatte das von uns als Start angepeilte Eiscafé auf der Ratzeburger Insel noch nicht geöffnet. Es konnte nur besser werden. Zunächst führte uns der Weg nach Norden an die ehemalige deutsch-deutsche Grenze. Kaum zu glauben, dass vor nicht einmal 30 Jahren hier auf dem Grenzweg Schlagsdorf noch der Todesstreifen verlief. Nach dem Rückbau der Grenzanlagen hat inzwischen die Natur den Streifen zurückerobert. Bebilderte Tafeln halten die Erinnerung wach. Statt Mauern gab es für uns etwas anderes zu entdecken: Mitten durchs Feld spazierten gemütlich zwei Strauße. Da kein Gatter um die Felder zu sehen war, vermuteten wir Ausreißer, erfuhren aber im nächsten Dorf, dass hier tatsächlich eine freie Population sogenannter Nandus lebt. Ganz falsch lagen wir mit den Ausreißern nicht – seit den 1990er Jahren brachen immer wieder Nandus aus ihrem Gehege aus. Mittlerweile leben rund 250 Tiere frei in der Gegend. Ihre Entwicklung sowie ihre Auswirkung auf die Gegend werden von Wissenschaftlern und Naturschützern beobachtet.

Wenige Kilometer waren gefahren, umso mehr Höhenmeter gesammelt, als wir auf einem freien Feld in Dechow die Gläserne Molkerei entdeckten. Just in time zur ersten Pause. Sie gehört zum Biosphärenreservat Schaalsee, bietet Führungen an und – für uns an dem Samstag am Wichtigsten – offeriert frischen Kaffee.

Weiter ging’s durch viele kleine Dörfer. Regen und Niesel wechselten sich ebenso ab wie der Untergrund. Es war alles dabei: Alte Platten, aufgerissener Beton, wunderschön anzusehendes Kopfsteinpflaster und versandete teils verschlammte Waldwege, die uns vom Rad und zum Schieben zwangen. Interessant fand ich, dass mehrere Male auf der Strecke asphaltierte Abschnitte alle rund 800 m durch zehn Meter Kopfsteinpflaster unterbrochen wurden. Sicher eine gute Maßnahme, um rasenden Autofahrern Einhalt zu gebieten. Für uns war’s weniger bequem. Eine kleine Dorfkirche mit ihrem separaten Glockenturm sowie eine von einer Schwalbenfamilie okkupierte Schutzhütte boten willkommene Möglichkeiten kurz zu verweilen. Auch Kirschen wollten am Wegesrand gepflückt und verzehrt werden. Irgendwann reichte es mit dem Grau um uns herum, den Schweriner Ruderclub mit seinem wunderschönen Blick aufs Schloss vor Augen, fuhren wir zügig zum Ziel des ersten Tages.

 

Kaum am Ruderclub angekommen, klarte es auf. Das Schweriner Schloss erstrahlte schon fast unwirklich. Parfait für den Abendspaziergang, um in der Stadt noch einzukehren.

Der Sonntagmorgen begrüßte uns nieselig, das Wetterradar kündigte mehr Regen an. So ließen wir uns Zeit zu frühstücken und starteten erst um halb zehn. Damit kamen wir direkt in den Wechsel des Schweriner Triathlons, bei dem die Athleten gerade aus dem See kamen und auf ihre Räder sprangen. Prompt schlängelten wir uns falsch an den Absperrungen vorbei, landeten auf einer Straße, die uns mittig in den Schweriner See führte. Kurz überlegten wir wieder gen Westen zu fahren, um dem Hamburg-Rügen-Radweg zu folgen. Da wir am Westufer bereits bei diversen Ruderwanderfahrten angelandet waren und es zumindest vom Wasser aus kannten, kürzten wir ab und fuhren das Ostufer hoch. Hier war’s belebt wie den ganzen Sonnabend nicht. Viele Radfahrer fuhren die Tour rund um den See. Kaum bogen wir wieder nach Osten ab, wurde es einsamer. Und abenteuerlicher. Bei Flessenow ging’s wieder in einen Wald. Mein Garmin zeigte abwechselnd „MTB geeignet“ oder „halbbefestigter Weg“ an. Letzteres halte ich für einen Euphemismus: Fiete’s Kettenschaltung versandete derart, dass ich nur noch schieben konnte. Dazu versanken sogar die Räder des Trekkingrades meiner Begleitung so tief, dass auch hier an ein Fahren nicht zu denken war. Besonders fies wurde es etwas später als es durch einen besonders feuchten Wald ging, in dem sich Riesenmücken über uns freuten. So schnell habe ich noch nie mein Rad geschoben und gleichzeitig nach Mücken geschlagen!

Das Schloss Hasenwinkel passierend erreichten wir recht fix Warin. Gefühlt zu früh, um schon wieder in den Zug nach Hamburg zu steigen. Der Blick auf die Karte zeigte, dass wir den Bahnhof in Bützow exakt zur Abfahrt des nächsten Zuges erreichen konnten. Also ging’s nach einem Eis gleich weiter. Und es lohnte sich. In Laase entdeckten wir eine wunderschöne alte Kirche samt altem Gutshof gegenüber. In Baumgarten erwartete uns eine restaurierte, ehemalige Molkerei, die heute eine Galerie beherbergt. Recht schnell erreichten wir Bützow und damit das Ende unserer Tour.

Es war wieder eine schöne Tour! Der Hamburg-Rügen-Radweg lässt sich gut Stück für Stück erfahren. Noch im Zug beschlossen wir, bald wieder die Räder zu packen und den Weg in Bützow fortzusetzen.

 

*von Hamburg nach Lauenburg sind wir beim BrommieX gefahren, von Lauenburg bis Lübeck mit Stopp in Ratzeburg, als wir die alte Salzstraße  entlang gefahren sind.

Höhenrausch in Hamburg

„Höhenrausch – Étape de Montagne“ hieß es in der Ankündigung zum First Light Ride im Juni. Es hätte mich stutzig machen sollen. Insbesondere nachdem Initiator Rick mit Gleichgesinnten gerade die „BBB 1000 – Barmbek-Brügge-Barmbek“ gefahren war. Selber werde ich nicht müde jedem, der von südlich der Elbe die Hansestadt besucht, zu erklären, dass es hier im Gegensatz zu meiner Oldenburgischen Heimat recht hügelig ist. Nicht umsonst gibt es Straßennamen wie den „Hamburger Berg“ und Begriffe wie „Elbhang“. So freute ich mich auf einen entspannten Start in den Sonntag.

Treffpunkt war um 5h30 die Krugkoppelbrücke. Einige Unerschrockene hatten vorher schon den Flughafen umrundet, um tatsächlich das erste Licht des Tages zu begrüßen. Und dann waren da noch die von mir liebevoll Radverrückten genannten. Samstagabend wunderte ich mich, dass einer von ihnen postete, er würde nun aufbrechen – er fuhr direkt von Delmenhorst über Bremen nach Hamburg, um mit uns zu radeln. Der Nächste war schon am frühen Sonnabendabend aus Kiel aufgebrochen, pünktlich auf der Krugkoppelbrücke, nur die Orientierung „wo ist denn hier Westen?“ war abhanden gekommen. Man gut, dass Rick gleich mit einem Wink gen Harvestehuder Weg die Richtung wies „Da geht’s in die Berge.“ Wobei der Verrückteste von allen ganz klar Dawid war. Er hatte unabhängig von unserer Morgentour schon länger die Fahrt Berlin-Hamburg geplant. Passend zum Start an der Alster kam er direkt vom Brandenburger Tor angerollt. Respekt!

Los ging’s die ersten hundert Meter entspannt über die Fahrradstraße am westlichen Alsterufer. Doch gleich bei der ersten Gelegenheit wurde rechts abgebogen, hoch gen Mittelweg. Ich war froh, als wir oben waren, noch wirkte der erste Kaffee nicht und Anstiege sind eh nicht meins. Doch oben kamen mir die Ersten wieder entgegen: Um in den drei Stunden möglichst viele Höhenmeter zu sammeln, hatte Rick die Strecke so gestaltet, dass es auch mal auf dem gleichen Weg hin- und zurückgehen konnte! Kurz dachte ich an ein Verfahren, als wir direkt in die nächste Straße hoch gen Pöseldorf einbogen. Nein, es ging gleich wieder runter. Nun war klar, mein Brommie Fiete und ich würden gefordert werden. Langsam verstand ich auch die Frage einer mitfahrenden Bromptonautin, ob die Strecke faltradgeeignet sei..

Am Fischmarkt vorbei ging’s Richtung Altona. Gerade als der Anstieg erträglich wurde, folgte eine 180°-Kehre und es ging auf einem schmalen, holperigen Weg den Hang hinunter. Die schmalen Reifen blieben ganz und das Erstaunen über „Und wieder hoch und zurück!“ währte nur kurz. So ging es in Zirkeln immer weiter bis nach Wittenbergen. Lediglich ein Fotostopp am Altonaer Balkon sowie ein platter Reifen erlaubten kurze Pausen. Zugegeben, die Anstiege fielen mir immer schwerer. Da war ich froh, dass wir Bromptonauten zu dritt kämpften – und nur am Anstieg nach dem ElbeCamp ein kurzes Stück schoben. Dank an die Mitfahrer, die geduldig das ein oder andere Mal oben warteten!

Höhenrausch – die Strecke

Auf der Michelwiese gab’s zum Abschluss nicht nur den verdienten Café. Ganz dem französischen Motto entsprechend hatte jeder eine Spezialität des Landes mitgebracht, die nun für diverse Taten („längte Anreise“, ..) überreicht wurden. Merci für die Madeleines! Sie waren die perfekte Post-Höhenrausch-Nahrung.

Es war wieder eine schöne Tour und ein wunderbarer Start in den Sonntag. Merci Rick!

 

Nachtrag: Es wurden übrigens rund 550 Höhenmeter!

 

 

 

Zeit für Coffeeneuring

Coffeeneuring Patch 2015
Coffeeneuring Patch 2015

Die Tage werden kürzer, Zeit für die diesjährige Coffeeneuring Challenge. Ins Leben gerufen wurde die Challenge 2011 von Mary aus Washington D.C., um einen Anreiz für kleine Entdeckungstouren im Herbst zu schaffen.

Um die Challenge zu bestehen, muss man

  • an sieben Tagen, in den sieben Wochen vom 7.10. bis 20.11.2016
  • zu sieben verschiedenen Orten fahren,
  • dabei in Summe mindestens zwei Meilen (= 3,22 km) zurücklegen,
  • sieben Tassen Kaffee (oder Vergleichbares) trinken und
  • sieben Fotos als Beweis fürs Coffeeneuring posten.

Im letzten Jahr habe ich zum ersten Mal selber mitgemacht: Coffeeneuring 2015. Klar hätte ich mir selbst jedes Wochenende vornehmen können mit dem Rad zu einem neuen Café zu fahren. Mit Gleichgesinnten, die darüber berichten und ebenfalls Fotos posten, bin ich motivierter und es macht mehr Spaß.

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