Auf zum Ahrberg – mein erstes Mal

Auf zum Ahrberg #5 oder wie es in der Ankündigung sinngemäß hieß „die letzte Herbstfahrt des Jahres“ am ersten Dezemberwochenende. Als die Strecke gepostet wurde, las ich eine für mich beeindruckende Länge von 138 Kilometern. Schon im letzten Jahr tanzte „AzA“ durch meine Facebook-Timeline, mit einigen Bromptonauten überlegte ich mit Fiete diese Crosstour anzugehen. Angesichts von Temperaturen um die Null Grad und heftigem Regen in den Tagen davor, nahm ich 2016 noch Abstand davon. Ich gebe zu, auch die Aussicht mit einem völlig verdreckten Fiete anschließend um die Badewanne zu konkurrieren, schreckte mich.

In diesem Jahr sollte es anders werden, mit elbX hatte ich nun das perfekte Rad. Irgendwann im Herbst erwähnte ich einer Freundin gegenüber, dass ich mit dem Gedanken spielen würde, mitzufahren, aber nicht die richtigen Radklamotten hätte – meine letzte Ausrede, um doch zu kneifen. Als Antwort bekam ich direkt Tipps zu passender Bekleidung und damit war besiegelt, dass wir mitfahren würden. Noch zwei Tage vorher saßen wir abends beim Wein und überlegten angesichts der angekündigten -1°C mit Südwestwind, wieviele Lagen Shirts & Hosen notwendig sein würden und versicherten uns, dass wir beim kleinsten Anzeichen von Niesel nicht starten würden. Freitagabend war klar, es würde trocken bleiben. Das hieß, endlich die Cleats unter meine neuen Radstiefel zu schrauben und jede Menge Riegel einzupacken. Vor der Streckenlänge hatte ich gehörigen Respekt. Bislang war ich erst einmal mit dem Brompton rund 100 km relativ fix am Stück gefahren. Für die rund 120 km-Tour mit elbX von Bremen nach Hamburg im September hatten wir uns entspannt den ganzen Tag Zeit genommen und zwischendurch immer wieder die Sonne genossen. Immerhin lagen einige 40km-Fahrten auf dem Brommie in der Woche davor hinter mir.

Dann war’s soweit, Sonnabendmorgen ab neun Uhr wurde es voll am Ausgang des alten Elbtunnels südlich der Elbe. Bestimmt 60 Fahrer*innen sammelten sich, schnackten noch ein wenig und dann ging’s los. Dank eines letzten Fotos & dem direkten Runterfallen meines erstmals angesteckten Ass-Savers, fuhren wir direkt ganz hinten. Egal, erst einmal raus aus dem Hafengebiet gen Bunthäuser Spitze hieß es und zu versuchen eine Geschwindigkeit zu finden, mit der ich die gesamte Strecke fahren kann, ohne dem Drang nachzugeben, irgendwie an die vor mir Fahrenden heranzukommen. Da direkt ein großer Dank an Olaf, der mich am Anfang ob der vermeintlich langsamen Geschwindigkeit beruhigt hat und der sich als super Tourenpartner für die Strecke erwiesen hat! Kurz darauf kam das erste unbefestigte Stück mit einem quer liegenden Baum – aufregend für mich, erstmals trug ich elbX über ein Hindernis. Das fühlte sich gleich an wie großes Crosskino. Passend dazu trafen wir Dawid und Gert wieder, das Viererdreamteam für den Rest des Tages war komplett.

Kurz darauf fuhren wir unter dem Maschener Güterbahnhof durch. Dieser 300m lange und nur 1,80m hohe Tunnel ließ meinen Puls steigen: Nur alle ca. 50m gab es einen Lichtschacht, neben dem schmalen Weg trennte uns kein Gitter vom Flüsschen Seeve und keiner von uns schien den Tunnel vorausgeahnt zu haben – wir rollten im Dustern. Abgesehen davon, dass ich mich nicht traute die Hände vom Lenker zu nehmen, hätte ich mit den zwei Paar Handschuhen übereinander mein Vorderlicht nicht anknipsen können. Keiner sprach, wir rollten schweigend. Ich war froh, dass vor mir Olaf mit seinem Trike fuhr und damit schon drei Fahrspuren mit potenziellen Hindernissen abdeckte. Nach einem gefühlten Kilometer endete der Tunnel endlich.

Weiter ging’s in ein forderndes Waldstück, das uns mit tiefem Sand begrüßte. Während die anderen schon schoben, dachte ich, dass ich elbX irgendwie fahrend durch den Sand bringen würde. Da war der Wunsch Vater des Gedanken: Schnell sanken meine Räder zentimetertief ein, das Rad kippte in Zeitlupe nach rechts und ich landete auf dem kiefernadelweichen Boden. Nun wusste ich, dass ich die Cleats richtig eingestellt hatte, die Stiefel lösten sich schon im Fall von den Pedalen. Schiebend ging’s weiter, bevor ein etwas befestigteres Stück den Wald entlang folgte. An der nächsten Kurve schwenkten wir wieder in den Wald, kurz währte die Freude über die Windstille, dann hieß es wieder absitzen und schieben. Diesmal war Matsch die Ursache. Er war so tief, dass ich kurz fürchtete, er würde mir bis in die Stiefel laufen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich alle Gedanken an irgendeine schöne Durchschnittsgeschwindigkeit verworfen. Mein Garmin tat sein Übriges dazu, indem er immer wieder anzeigte „no recording“ da er keine Bewegung über drei km/h mehr feststellen konnte. Ein etwas festerer Sandweg erlaubte ein erneutes Aufsteigen und Fahren. Es ging zwar mit etwas Gegenwind bergauf, aber wie die angezeigten zehn km/h hatte es sich für mich nicht angefühlt. Unglaublich, wie viel Sand, Steigung und Wind ausmachen! „No recording“ zeigte der Garmin erneut an, als es später über altes Kopfsteinpflaster bergauf ging. Der Fixiefahrer, der zu dem Zeitpunkt noch mit uns fuhr, war schon abgestiegen und schob..

Nach etwa vier Stunden, etlichen Anstiegen und etwa 75km erreichten wir als Letzte den Ahrberg, wo netterweise das Versorgungsteam auf uns wartete. Selten hat mir ein Schwarzbrot besser geschmeckt. 1000 Dank, dass ihr noch da wart!

Meine Überlegung ab Winsen/Luhe den Zug zurück zu nehmen wurde torpediert von der Aussicht nun keine Schiebestrecken mehr zu haben und „nur noch“ 50 km zu fahren. Wie ich auf die 50km kam, weiß ich bis heute nicht. Ohne diesen Glauben wäre ich wohl nicht weitergefahren. Relativ direkt ging’s zur Elbe, an der wir Olaf verabschiedeten. Kurz vor Harburg dachte ich noch einmal über die S-Bahn nach, aber der Gedanke, das Rad nun auf einen Bahnsteig tragen zu müssen und ggf. in der Kälte auf die Bahn zu warten, ließ mich weiterfahren. Dazu trug bei, dass Dawid uns über die schöne alte Elbbrücke über die Süderelbe führte, die auch im Dunkeln faszinierte. Die letzten Kilometer hatte ich nur noch meine Badewanne vor Augen. Ich stoppte vor der Haustür nur kurz, um elbX abzubürsten und genoss wenige Minuten später das Gefühl auftauender Knochen.

Was für ein Tag, was für ein Erlebnis!

 

Mein Fazit:

Das Menschliche:

  • Dank an Babsy, die mich mit ihren Klamottentipps im Vorfeld darin bestärkte, dass die Tour irgendwie zu schaffen wäre.
  • Ohne das Viererdreamteam wäre ich wohl nicht durchgefahren. Danke euch Dreien, dass ihr so tolle Tourenpartner wart!

Das Material:

  • Die Radstiefel von Vaude haben sich bewährt, meine Füße wurden nur selten kalt, schon kurzes Absteigen und Gehen wärmte für die nächsten Kilometer.
  • Der Tipp zum Radfahren den eigentlich für Skilanglauf gedachten Primaloftrock von Löffler zu nutzen war Gold wert. Danke Lyss!
  • Meine jahrelang zum Rudern genutzte Windjacke war nicht mehr wirklich winddicht, da muss Ersatz her.
  • Drei Lagen unterschiedlich langer und dicker Merinoshirts hielten warm. Den Tipp darunter noch ein „Plastik“-Trikot zu ziehen, um die Feuchtigkeit vom Körper wegzutransportieren, werde ich beim nächsten Mal ausprobieren.
  • Die Kombination aus winddichter Sommerwanderhose, dreiviertel Radhose und langer, dünner Merinohose war warm genug.
  • Zwei Paar Handschuhe – ein dünnes vom Joggen und dickere Skihandschuhe – waren ok. Etwas Winddichteres möchte ich beim nächsten Mal nutzen.
  • Die dünne Daunenjacke, die im Packsack unterm Oberrohr hing, habe ich zwar nicht genutzt, aber es war beruhigend zu wissen, dass ich sie jederzeit hätte auspacken können. Ich würde sie wieder mitnehmen.
  • In der Oberrohrtasche war die Technik verstaut. Zwar brauchte ich den Akkupak diesmal erstaunlicherweise nicht für den Garmin, aber ich würde ihn wieder mitnehmen.
  • Das Vorderlicht von knog gab trotz voller Akkuladung recht fix auf. Da war ich froh einen zweiten Satz Anstecklichter dabei zu haben.
  • In der Satteltasche steckten Flickzeug und Riegel, die Luftpumpe kam beim Platten eines anderen Fahrers zum Einsatz. Riegel habe ich zu wenige gegessen, was ich am Zittern abends merkte. Ich werde sie beim nächsten Mal mit Traubenzucker ergänzen.
  • Auch wenn ich die zweite Wasserflasche nur angebrochen habe, möchte ich nicht auf sie verzichten.
  • Das warme Ingwerwasser im 500ml Thermobecher am Lenker wärmte auf dem Ahrberg gut auf. Schade, dass ich nicht früher daran gedacht hatte, etwas davon zu trinken.

Das Rad:

  • elbX hat sich bewährt. Er fährt sich traumhaft, ist wunderbar leicht und ich bin nach wie vor begeistert von seinem Anblick. Danke an Christian von bikespresso, dass du mich so gut beraten und ihn mit mir zusammengebaut hast!

Hier gibt’s ein Video samt Bericht zur Fahrt.

 

Nun wird es Zeit, dass ich endlich mein Rezensionsexemplar von „Rad und raus“ lese, um noch mehr Tipps zum Querfeldeinfahren und Bikepacking zu bekommen. Weitere Motivation geben mir das Buch „Randonnée – ein Ultracycling Tagebuch“ und eine Satteltasche, in die mehr als Flickzeug und Riegel passen. Die größte Inspiration bekomme ich sowieso aus der tollen Hamburger Radcommunity. Ich freue mich aufs kommende Jahr und weitere lange Fahrten!

 

 

 

Euch ein frohes, neues Jahr und immer genug Luft im Reifen!

 

 

7 comments

  1. Großartig! Ich bewundere alle, die bei diesen Temperaturen große Touren fahren. Ich radle zwar auch das ganze Jahr, aber im Winter beschränkt sich das Radfahren eher auf alltägliche Kurzstrecken.
    Wünsche dir einen guten Rutsch (aber nicht auf der Straße) und ein glückliches Neues Jahr!
    Liebe Grüße, Julia

    1. Vielen Dank
      Dir auch ein frohes neues Jahr und viele schöne Fahrten!!
      Die Bewunderung gebe ich direkt zurück – insbesondere, wenn ich mir eure Blogpost zu Campingtouren mit den Brommies anschaue. Sie wecken Sehnsucht. Liebe Grüße, Miriam

      1. Oh, dankeschön! Ich finde das Reisen mit den Brommies so entspannt, weil du dir nie Gedanken drüber machen musst, ob und wo dich ein Zug oder Bus mit dem Fahrrad mitnimmt, wenn es wieder nach hause geht…

  2. Oh, das klingt wunderbar! Das ist defintiv ein Ziel für 2018: Eine derartige Fahrt mitzumachen! ElbX sieht auf jeden Fall nach dem richtigen Begleiter aus :-).

  3. Hallo Miriam, Glückwunsch zum Streckenrekord 🙂 Und dann noch auf solchem Untergrund und bei den Temperaturen. Finde ich super!
    Weil du Traubenzucker erwähnst: Gegen das Zittern nehme ich bei längeren Touren auch für zwischendurch eher ein herzhaft belegtes Brötchen mit (oder drei), das knallt nicht so rein, hält aber länger vor, vor allem wenn man eh nicht so am Anschlag fährt. Ist nicht so einfach im Fahren zu essen wie ein Riegel, aber mit zwei Lagen Handschuhen ist das ja sowieso alles etwas komplizierter.
    Viel Spaß weiterhin mit elbX und guten Rutsch!

    1. Merci und Danke auch für den Brötchentipp. Den werde ich bald ausprobieren. Er erinnert mich daran, dass das Schwarzbrot auf dem Ahrberg ungeahnte Kräfte freisetzte.
      Dir ein frohes neues Jahr und viele wunderbare Fahrten! ✨

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