Schön war’s – Fahrradschau 2017 (I)

Zweieinhalb Tage Berliner Fahrradschau 2017 sind vorbei – gefühlt viel zu schnell, um alles zu sehen, mit allen zu sprechen, mit denen ich sprechen möchte, alles Neue zu entdecken. Klassentreffen oder Familienfeier trifft dieses spezielle Wochenende in der Station Berlin ganz gut. Oder wie Fares Gabriel Hadid (Geschäftsführer der Berliner Fahrradschau & Berlin Bicycle Week) im Interview auf die Frage, was die Events so besonders mache, sagte:

„Leiden & Leidenschaft von professionellen Rennrad-Sportlern“ – Skulptur von Sebastian Zimmermann

„Die Menschen, die zu uns kommen. Vom Investmentbanker bis zum Fahrradkurier treffen sich auf der Fahrradschau alle. Das schafft eine unglaublich entspannte Atmosphäre. Die Fahrradschau fühlt sich seit Jahren wie ein Familientreffen an. Und so soll es auch sein. Bei uns treffen sich wirklich alle, die für’s Radfahren brennen. Da ist der Mountainbiker genauso vertreten, wie die Fixie-Fraktion, der Lastenrad-Fahrer oder der ambitionierte Rennradler. Wir kommen alle auf einen gemeinsamen Nenner: dem Fahrspaß. Deswegen auch #cyclingunites.“

Quelle: berlinerfahrradschau.de

Freitag

Los ging’s für mich schon vor der eigentlichen Eröffnung mit einem ausführlichen Schnack mit Jule von Radelmädchen. In Wien hatten wir uns zuletzt gesehen, dazwischen lagen Reisen und viele spannende Ereignisse, das Rad war selbstverständlich der Mittelpunkt unserer Gespräche, ergänzt durch die Vorfreude auf das kommende Wochenende.

An der Station Berlin trafen wir direkt auf alte Bekannte, dann begann auch schon der Presserundgang. Aufbau und Konzept waren diesmal harmonischer als in 2016. In der ersten Halle ging’s um E-Mobility, Lastenräder und verschiedene Radinititativen (wie bspw. den Volksentscheid Fahrrad in Berlin). Die große Halle war kleinen & großen Herstellern vorbehalten, hier würde auch der Cycle – Style & Bike Magazin Award vergeben werden. Aus dem Augenwinkel entdeckten wir schon Felix von my Boo, ließen uns erst einmal weiter in die Halle führen, die unter VELO Couture© und URBAN LIFESTYLE firmierte. Nun sahen wir zum ersten Mal die Blogger-Lounge, ein gemütliche Ecke zum entspannten Klönen und Hochladen der ersten Fotos und Berichte. Vielen Dank Dani vom Presseteam der Fahrradschau, dass du sie möglich gemacht hast!

Direkt daneben traf ich mit Karsten einen befreundeten Klapp- und Holzradfahrer wieder. Auf der Fahrradschau präsentierte er erstmals die Holzräder von bikeologic. Im Oktober hatte ich einen Prototypen Probe fahren dürfen, war erstaunt, wie weich ein Holzsattel sein kann und wie gut sie sich fahren. Inzwischen sind die Räder weiter verbessert worden und bereit zum Kauf.

Really fun to try out this wooden bike! Even the saddle was made of wood 🌳 #Coco-Mat #wood #bike

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Wenige Meter weiter war der Stand von Vel-Oh und wir freuten uns, Zulfi und Greta, die beiden Gründer und Macher, wiederzusehen. Nachdem wir uns im August in London bei der Präsentation ihrer neuen Kollektion kennengelernt hatten, war viel passiert und alles musste sofort erzählt werden. Da ist sie wieder die Radfamilie. 🙂 Die beiden trainieren neben der Taschenherstellung auf die diesjährige TransAm – 4.300 Meilen (~ 7.000 km !!) quer durch die USA – Hut ab! Aber zurück zu den Taschen. Besonders eine hatte es mir angetan. Was soll ich sagen? Sie ist wunderschön, leicht, Wasser abweisend und nun meine.

Felix und Christian von my Boo hatten neben den schönen Bambusrädern wieder regionale Produkte dabei: Bambuszahnbürsten aus Hamburg und das Kieler Bier Lille (lecker ;)). Gemeinsam mit aceteam, dem „Wooden E-Bike“, Woodfender (Spritzschutz aus Holz) & Velospring (sehr bequeme, gefederte Griffe aus Nussbaumholz) bildeten sie den „Natur am Rad“ Stand. Gerade entwickelt my Boo neue Griffe aus Birkenrinde. Die Prototypen fühlten sich richtig gut an – der pH-Wert der Rinde entspricht dem der menschlichen Haut. Dazu sollen sie bei Feuchtigkeit griffiger werden und haben wie viele Hölzer die Eigenschaft antibakteriell zu wirken. Am liebsten hätte ich die Prototypen eingesteckt.

Ebenfalls am Freitagabend führten die Ladies von „Ride with Wolves„, „WaG – London Bike Kitchen„, „She36“ und „All that I want“ in ihre Veranstaltungsreihe „Women in Cycling“ ein. Letztere umfasste neben Diskussionen um Frauen im Radsport & der Radindustrie auch Wartungsklassen, in denen gezeigt wurde, wie kleinere Reparaturen erledigt werden können „easy maintenance – you don’t need many tools & can do repairs in you living room when watching tv!“. Auch das Thema „Street Harassment“ (Alltägliche Belästigungen) wurde in Workshops aufgegriffen.

Der Volksentscheid Fahrrad war auch am Stand von FAHRER Berlin vertreten. Wer einen Schlüsselanhänger „Langfinger“ für sich personalisieren wollte, konnte dies gegen eine Spende tun. Die FAHRER Produkte, die fast ausschließlich in und um Berlin produziert werden, hatte ich auf einer VELO Berlin schon ausführlich bewundert. So blieb Zeit für Gespräche über den Zustand der Berliner Verkehrsinfrastruktur, die Berliner Radszene und einiges mehr.

Kurz verweilte ich am Stand von tex-lock. Das neu entwickelte Schloss ist unglaublich leicht und weich. Mit seinem Textildesign wirkt es eher wie ein leichtes Tau als ein herkömmliches Fahrradschloss. Die verwendeten Materialien sollen durch ihren mehrlagigen Aufbau Feuer-, Schlag- und Schnittwerkzeuge Stand halten. Ich bin schon gespannt, wie sich die ersten Schlösser im Praxistest bewähren werden. Gerade läuft eine Kickstarterkampagne, die die erste größere Produktion finanzieren soll. Nicht nur ich scheine neugierig zu sein: Schon jetzt übertrifft die Kampagne das angepeilte Ziel schon ums fünffache (Stand 13.03.2017).

Carlos samt Rad der Japan Odyssey. Coole Pics! @carlosfernandezlaser @pelagobicycles @fingerscrossed

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Damit war’s schon fast 23h. Auf dem Weg nach draußen lernte ich noch einige Mitarbeiter von Böttcher Rad aus Heide kennen – klar, dass sie mit My Boo aus Kiel im Gespräch waren. Einige Fragen zu passenden Rahmen konnte ich dennoch stellen, denn die Geometrie meines großen Rades gefällt mir seit Längerem nicht mehr. Da konnte ich sogar vor der Halle direkt mit Norwid-Kollegen aus der Nähe von Elmshorn weiterschnacken. Die norddeutsche Runde war perfekt!

Meine Sonnabend- & Sonntagserlebnisse sind hier zu lesen.

 

Voilà Links zu weiteren Berichten von der diesjährigen Fahrradschau:

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